In Chiang Mai

Ich sollte Geld wechseln, die Banken machen jedoch erst um neun auf. Soll ich warten und erst dann zu meinem Treffen ins Spital gehen oder später Geld wechseln? Mein Geld reicht für die TukTuk-Fahrt, ich entscheide mich fürs spätere Geldwechseln. Als ich beim Spital eintreffe, sehe ich, dass es auf dem Spitalgelände eine Bank hat. Geldwechseln könne ich hier nicht, wird mir beschieden, da müsse ich zur Siam Commercial Bank, die aber auch auf dem Gelände zu finden sei. Ich finde sie nicht und so frage ich bei der Information und merke erst im letzten Moment, dass es sich dabei um die Anmeldung für Notfälle handelt, als der Mann hinter dem Schalter bereits aufsteht, ein paar Schritte geht, die Tür zur Notfallstation aufstösst und zwei Krankenschwestern herbeiruft. Ich entschuldige mich, ich sei kein Notfall, ich suche die Siam Commercial Bank, will bereits weiter, bevor ich barsch weggewiesen werde – wie es wohl in der Schweiz der Fall wäre – , doch die beiden Krankenschwestern lächeln freundlich und weisen mir den Weg zur Bank, während eine Patientin aus ihrem Krankenbett heraus interessiert zuschaut.

Ein älterer, übergewichtiger Amerikaner schreit im Strassencafe dermassen laut in sein Handy, dass überhaupt kein Strassenlärm mehr zu hören ist. Warum nur sind die Amis immer so laut?

Ein junger Holländer, der gerade ein Auslandsemester an der Bangkoker Rangsit University hinter sich hat, hat Mühe sich ans Allein-Reisen  zu gewöhnen, nachdem er ein halbes Jahr immer in Gesellschaft verbracht hat. Was er denn studiere? Event Management.

Seit meinem letzten Aufenthalt in Chiang Mai hat sich einiges verändert, doch das Riverside Restaurant gibt es immer noch. Und das Essen  dort ist nach wie vor exzellent.

Erstaunt bin ich vor allem über die vielen Buchläden. Und die ausgezeichnete Auswahl an spannenden Titel. Obwohl ich buchmässig bestens versorgt bin, kann ich nicht widerstehen und erstehe Tim Pears‘ „Wake up“, Alexander Stuart’s „Tribes“, James Young’s „Moscow Mule“ und Scott Turow’s „Personal Injuries“. Meine beste Chiang Mai-Lektüre habe ich jedoch von zu Hause mitgenommen: James Sallis‘ „Driver“.

Davon, dass die Militärs die Macht übernommen hat, merkt man nicht viel. Sicher, es gibt vereinzelt Soldaten auf den Strassen … Einige Thais äussern sich dazu positiv, andere, so höre ich von Westlern, seien gar nicht begeistert, doch die Hotelpreise sind so tief wie vor zwanzig Jahren. Ein amerikanisches Ehepaar in meinem Alter, findet die Militärpräsenz gut: sie hätten sich zur Zeit der politischen Unruhen in Bangkok befunden und es sei gefährlich gewesen. Jetzt hingegen sei Ruhe eingekehrt. Von einer Genferin erfahre ich, die Schweizer Botschaft rate von Reisen nach Thailand ab … na ja, was wissen schon Botschaften ….

Der junge Mann ist ganz weiss, fast am ganzen Körper tätowiert und stammt aus dem Süden Schottlands. Er und seine Freundin trauen sich nicht in den Hotelpool, fürchten, das Wasser könnte zu kalt sein. Machen Sie Witze? Das Wasser hat etwa 23 Grad. Ob sie generell wasserscheu seien? Sie lachen und jetzt springt die junge Frau ins warme Nass und überlebt.

Ob es einen Discount auf den Zimmerpreis gebe, frage ich die Rezeptionistin. Dieser Preis sei bereits herabgesetzt, sagt sie. Und fügt hinzu: Bei Booking.com  würde ich noch einen günstigeren Preis kriegen. Ich buche also wie mir empfohlen wurde, freue mich am nächsten Morgen aufs Frühstück, erfahre dann aber, dass dieses in „meinem“ Preis nicht inbegriffen ist.