Worüber ich mich zunehmend wundere …

In letzter Zeit sind mir immer mal wieder Gedanken durch den Kopf gegangen, die, so scheint mir, ich noch nie bewusst gedacht beziehungsweise wahrgenommen habe. So habe ich mich etwa gewundert, dass Germanist ein Beruf sein kann. Da liest also einer Bücher, studiert und analysiert sie sowie die Zeit, in der sie entstanden sind. Auch mit der Biografie des Verfassers setzt er sich auseinander, schreibt womöglich sogar eine Dissertation über dessen erste drei Lebensmonate und verbringt dann die restlichen Jahre seines Erdendaseins als anerkannter Spezialist für etwas, womit nur er sich jemals auseinandergesetzt hat.

Natürlich, es gibt viele Berufe, die einen Nicht-Initiierten sonderbar anmuten mögen und sehr viele sind wohl vorwiegend damit befasst, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen. Man  denke etwa an höhere Beamte oder andere mit sogenannten Führungsaufgaben beschäftigte Kader, deren Tage mit Sitzungen angefüllt sind, die sich gelegentlich darin erschöpfen, die nächsten Sitzungen festzulegen.

Oder Soziologen. Die studieren die Gesellschaft, oder? Ich bin verwundert und verblüfft, kann nicht fassen, dass man damit Geld verdienen kann. Das gelingt ja auch den Therapeuten, die in aller Regel selten mal was anderes tun, als Problembeladenen klar zu machen, dass sie für ihre Probleme und deren Lösung selber verantwortlich seien.

Kunstexperten erklären uns, dass das, was wir nicht verstehen, Kunst, also bedeutungsvoll sei. Manchmal glauben wir das, meistens jedoch nicht, doch ist was wir glauben irrelevant, denn relevant ist, wofür Leute mit Geld viel davon ausgeben – und das ist dann Kunst. Experten, die uns das erklären, kriegen Geld dafür.

Am eigenartigsten kommen mir jedoch die sogenannten Repräsentanten der verschiedenen Staaten vor, die, wenn sie ihren Kollegen in anderen Staaten einen Besuch abstatten und dort dann vor jungen, stramm stehenden Männern in gebügelten Paradeuniformen und mit proper gewichsten Schuhen auf und ab laufen und sich dabei von sich selber begeistert zeigen.

Fast noch mehr als eigenartig ist jedoch, was am 15. Dezember 2013 auf der Website der in Zürich erscheinenden Sonntagszeitung über das Treffen der Schweizer Bundeskanzlerin Casanova mit Gouverneur Schwarzenegger berichtet worden ist:

„Sie begann den offiziellen Teil einen Tag nach ihrer Ankunft mit einem Besuch bei Parlamentariern in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento. Am zweiten Tag traf sie Regierungsmitglieder und den damaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger für 45 Minuten.

«Es handelte sich um einen längeren Austausch über die Instrumente in einer direkten Demokratie zur Wahrung der Volksrechte», erklärt die Sprecherin. Diskussionspartner Schwarzenegger stand damals unmittelbar vor dem Ende seiner Amtszeit. Die Wirkung des Treffens war überschaubar. Kein einziges Medium berichtete darüber.“

Medien-Berichterstattung als Zeichen von Relevanz? Gerade berichten sie davon, dass eine Schweizer Politikerin beklagt, wie wenig den heutigen Menschen der Gemeinsinn eigne. Ganz so, als ob sie ihre eigene, finanziell bestens ausgestattete Position ihrem Gemeinsinn verdankte. Doch das erfuhr ich nicht aus den Medien.