In Hotels

Ob es einen Discount gebe, frage ich die junge Rezeptionistin in dem sehr schönen Hotel im Norden Thailands. Ja, sagt sie. Und wer kriegt den? Jeder, der fragt.

Mir gefällt der Aufenthalt in Hotels, besonders der längere, mehrere Tage, ja Wochen und Monate dauernde. Vor Jahren bin ich zwischen Bangkok und Sargans gependelt, drei Monate hier, drei Monate dort. In Bangkok wohnte ich immer im selben Hotel an der Sukhumvit, dem Golden Palace (ausgesprochen „Golden Pälä“). Es wurde von Chinesen geführt, war preisgünstig und meist voll belegt. Dass es sich bei Thailand (so der Werbeslogan) um das Land des Lächelns handelte, war den Betreibern entgangen: der Umgangston an der Rezeption war unfreundlich und barsch. Bei den Gästen, die da abstiegen, nicht unverständlich.

Als ich 1988 zum ersten Mal dort abstieg, bestand die Klientel hauptsächlich aus Rucksacktouristen und westlichen Bumsbombern, später dann war  es vor allem von Arabern belegt und noch später kamen plötzlich viele Gäste aus der vormaligen Sowjetunion. Viele von denen, die ich da im Laufe der Jahre kennengelernt habe, gingen ziemlich dubiosen Geschäften nach und es war ganz klar zum eigenen Besten, wenn man davon nicht allzuviel wusste.

Dann wurde das Golden Palace verkauft, die Zimmer kriegten einen neuen Anstrich und die Preise verdreifachten sich. Die ehemaligen Eigentümer besassen noch ein zweites Hotel an der Petchburi, wo ich fortan abstieg.

Ist man länger als ein paar Tage im selben Hotel, fühlt man sich bald einmal eigenartig zugehörig.

Im „Genova“, im kolumbianischen Barranquilla, ging es mir ähnlich wie im Bangkoker Golden Palace. Ich las viel, ass gut, trank Unmengen Kaffee, lag am Pool, ging spazieren, schrieb viel, hatte den Computerraum meist für mich, bis das Hotel von jugendlichen Fussballern besetzt wurde, die an nationalen Meisterschaften teilnahmen und so laut waren (häufig noch übertroffen von ihren Müttern), dass ich das Weite suchte. Einmal, als etwa fünf 12-Jährige einen der Computer attackierten, hörte ich eine der drei im Raum anwesenden Mütter alle paar Minuten sagen, „diez minutes más y ya“, eine geschlagene Stunde lang. Es war zum Schreien.

In Brasilien beurteile man Hotels nach dem Frühstück, erläuterte mir einmal ein Paar aus Rio. Das war in Maceío, einer Stadt am Meer mit einer tollen Bucht und das Frühstücksbuffet war exzellent, die Auswahl an Kuchen superb, man wähnte sich an einer Dessert-Tafel, nur Glacé fehlte noch. Allerdings liess die Sicherheit zu wünschen übrig: der Zimmerschlüssel, der mir an der Rezeption ausgehändigt wurde, war zwar der, um den ich gebeten hatte … nur gehörte er zu einem ganz anderen Zimmer.

Das Motel 6 am Stadtrand von Tucson, das in Mojave und das in Las Vegas; Wüstenlandschaften tauchen vor meinem inneren Auge auf. Und das Gefühl vom Unterwegssein stellt sich ein …