Freddies Medien-Geschichten

In der Online-Ausgabe einer Tageszeitung las er, dass sich ein Nachrichten-Ansager für zu intellektuell fürs Fernsehen gehalten hatte. Freddie wunderte sich, hatte er doch diesen Mann, der auch einmal eine Quiz-Sendung moderiert und dabei so tiefsinnige Fragen stellte, wie der Präsident Afghanistans heisse (ganz so, als ob solches Wissen relevant sei, obwohl doch jeder weiss, dass es überhaupt nicht drauf an kommt, ob Herbi A oder Trudi B Steuergelder in den Sand setzen). Kurz und gut, „intellektuell“ war schlicht kein Wort, das er mit diesem Mann in Verbindung brachte. Andererseits sind die öffentliche Wahrnehmung und die Wirklichkeit selten deckungsgleich und fairerweise musste man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass dieser Fernsehmann möglicherweise bei sich zuhause ein Intellektueller war, gleichsam ein Privat-Intellektueller.

Als er dann weiter las, stiess er auf ein Interview mit einem ehemaligen Politiker, der aus Gründen der Ausgeglichenheit einmal in der Landesregierung gesessen hatte, denn in einer Demokratie gehören nun einmal alle in der Regierung vertreten, die etwas mehr und die etwas weniger Dummen wie auch die noch Dümmeren. Besagter Mann vertrat die letzteren und gab eines dieser Sonntagsinterviews, bei denen die Redaktion bis zur letzten Minute nicht wusste, wie sie die noch leeren Seiten (der vorgesehene Interview-Partner hatte abgesagt, weil er nur von der Chefredakteurin befragt werden wollte, die es jedoch vorzog, mit ihrem neuen Liebhaber … das ist jetzt zwar erfunden, doch deswegen nicht weniger wahr) füllen sollte. Was der ehemalige Politiker dann sagte, war jedoch so einfältig, dass es Freddie bereits vergessen hatte, bevor er den Beitrag zu Ende gelesen hatte.

In einer Sendung, die als Talkshow angekündigt war, verstand sich der Moderator als Inquisitor und regte sich ganz furchtbar auf, als der Gast sich weigerte, mitzuspielen und sein eigenes Spiel spielen wollte. Freddie verblüffte am meisten, dass der Gast den Moderator als Boulevard-Journalisten bezeichnete, denn Journalismus setzte doch so recht eigentlich Neugier voraus und davon war dem Moderator absolut gar nichts anzumerken.

Freddie las schon seit Jahren fast nur noch Online-Zeitungen, die sich von den gedruckten eigentlich nicht unterschieden, denn bei beiden Varianten beschäftigten sich die Journalisten vor allem mit sich selber. Unverblümter als im Dezember 2014 hatte Freddie dieses Phänomen jedoch selten wahrgenommen, als fast im Tagesrhythmus darüber spekuliert wurde, wer denn nun der neue Chef der Schweizer Freisinnigen-Zeitung werden sollte. Einer der wenigen, der sich nicht dazu äusserte, war ein Schweizer Kolumnist, der von Berlin aus Woche für Woche gegen diese Zeitung geiferte. Möglicherweise war er beleidigt, weil überhaupt niemand darauf gekommen war, ihn anzufragen.