Freddies Medien-Geschichten (1)

In seinem Journalismus-Studium hatte Freddie auch von verschiedenen Versuchen gehört, zu definieren, was eigentlich genau Journalismus sei. Die Version, für die er sich am meisten erwärmte, stammte von einem englischen Zyniker, dessen Name ihm entfallen war: „Werbeflächen für Leute, die sich profilieren wollen, bereitzustellen.“ Daran musste Freddie wieder denken, als er in der Online-Ausgabe einer Tageszeitung die Eröffnungsrede der Schweizer Bundespräsidentin zum Davoser WEF als Live Stream angekündigt sah. Wer um Himmels Willen interessierte sich bloss für so was? Der Info-Kanal des Schweizer Fernsehens, bei dem er beim anschliessenden Zappen gelandet war, strahlte ein Gespräch zwischen einem WEF-Offiziellen und dem ägyptischen Ministerpräsidenten aus. Was er der Jugend seines Landes zurufen möchte?, wurde der Ägypter gefragt. Als dann der so Gefragte seine Antwort mit den Worten einleitete, dass die Jugend die Zukunft sei, zappte Freddie weiter.

Meinungsumfragen scheinen bei Journalisten besonders beliebt. Kaum eine Woche vergeht ohne angeblich durch Umfragen gewonnene neue Erkenntnisse. „Studie beweist: Jeder vierte Schweizer ist fremdenfeindlich“. Dass es beim Journalismus um kritisches Hinterfragen gehen sollte, wie Freddie einmal gelernt hatte, scheint Medienleuten, die solches unkommentiert abrucken (Wie will man Fremdenfeindlichkeit eigentlich messen?), nicht bekannt.

Eine Tagesschau-Sprecherin des Schweizer Fernsehens erleidet einen Schwächeanfall, kann nicht weiter die Nachrichten vom Teleprompter ablesen, die Sendung wird abgebrochen. Die üblichen Dampfplauderer melden sich zu Wort. Mit den üblichen Banalitäten. Der Ausfall der Sprecherin scheint interessanter als die Nachrichten, die sie hätte vortragen sollen.

In einem Boulevardblatt wird ein „Politikberater“ mit dem Satz zitiert: „Fremdküssen ist nicht einmal ein Kavaliersdelikt.“ Freddie war der Ausdruck „Fremdküssen“ bisher nicht geläufig. Auch war er erstaunt, worüber „Politikberater“ sich zu äussern berufen fühlen.

„Ob im Verborgenen verhandelt wird, ist nicht bekannt“, sagte die Nachrichtensprecherin im Schweizer Fernsehen. Vielleicht liegt das ja daran, dachte Freddie so für sich, dass man selten weiss, was im Verborgenen geschieht.