Freddies Medien-Geschichten (2)

Am 9. September 2014 berichtete der Blick unter dem hoffnungsfrohen Titel „Seit 2 Monaten kein Tropfen Alkohol!“, dass sich der Schauspieler Mathias Gnädinger (73) für sechswöchige Filmaufnahmen in Japan fit mache. Und Freddie dachte so bei sich: der Mann muss ein ziemliches Alk-Problem haben, wenn zwei Monate Abstinenz (wer das wohl kontrolliert hat?) eine Zeitungsmeldung wert sind.

Ehrlichkeit, hat der Filmproduzent Samuel Goldwin Meyer einmal gemeint, sei die wichtigste Eigenschaft, über die Schauspieler verfügen müssten. Wenn man diese glaubhaft rüberbringen könne, dann sei man mit dabei. Daran denkt Freddie häufig, wenn die Applaus-bedürftigen Fernsehansager (Frauen wie Männer) versuchen, Glaubhaftigkeit zu demonstrieren, wo er nur eitlen Ehrgeiz sieht.

Aus Biografien wissen wir, dass wer auf der Leinwand menschliche Wärme ausstrahlt – etwa Ronald Reagan oder Willy Brandt – im wirklichen Leben oftmals einem glitschigen, kalten Fisch ähnelt.

Ist der im Fernsehen sich äussernde Experte jemand, den man privat kennt, vielleicht sogar ein früherer Schulkollege, weiss man plötzlich mit seltener Klarheit, dass Wirklichkeit und ihre mediale Inszenierung so ziemlich gar nichts miteinander zu tun haben.

Damit soll nicht gesagt werden, dass die Medien die Wirklichkeit nicht beeinflussen – sie tun es: ausser Show und Business gibt es kaum noch was. Damit soll gesagt werden. dass die Medienrealität als das gesehen werden soll, was sie ist: fabriziert, unecht, „fake“.

Freddie war einmal ein Fan von Talkshows gewesen. Und auch nachdem er sie über hatte, hatte er sich aus Gewohnheit oft zugeschaltet. Bis er es dann eines Tages leid war, sich die immer gleichen Köpfe mit den ihn fast nie überraschenden Meinungen anzutun.

Vor Jahren hatte er sich auch gerne Fernsehkrimis angesehen. Doch war ihm im Laufe der Zeit die Vorstellungskraft abhanden gekommen, so ein Fernsehkommissar (Frauen sind klar mitgemeint) würde jemals einen Fall lösen können.

Je älter er wird, desto mehr sieht Freddie vorwiegend Wichtigtuer am Werk. Überall, nicht nur in den Medien, wo Eitelkeit zu erwarten und so recht eigentlich eine Berufsvoraussetzung ist.