Von der Politik und vom wirklichen Leben

Politiker verstehen sich aufs politische Spiel. Sie wissen zu unterscheiden zwischen Freund und Feind, erkennen schnell, was und wer ihnen nützt und was und wer ihnen schadet. Von ihnen zu erwarten, dass sie sich für das Wohl der Menschen engagieren, ist naiv und unangemessen.

Was Politiker zu ihren Ämtern verholfen hat, war nicht das Engagement für ihre Mitmenschen, sondern das Engagement für sich selber. Was sie in ihren Ämtern hält, ist ihr Einsatz für ihre Eigeninteressen.

Das gilt genau so für Manager und Angestellte in der so genannten freien Wirtschaft. Mit dem Unterschied, dass diese meist nicht vorgeben müssen, sich für das Gemeinwohl abzurackern.

Niemand mag es, aus der täglichen Routine aufgescheucht zu werden, auch nicht durch ein  klingelndes Telefon. Wenn dann gänzlich Unerwartetes passiert, wie etwa die von nicht wenigen vorausgesagte derzeitige Völkerwanderung, die aus mir unerfindlichen Gründen unter Flüchtlingskrise firmiert, sind alle überfordert.

Besonders offensichtlich ist dies bei den Politikern (zu deren Glück und Pech es gehört, im permanenten Scheinwerferlicht zu stehen), deren Mass an Unbedarftheit erschütternd ist. Nur Ideologie und Wunschdenken, niemand scheint sich mit der Realität auseinandersetzen zu wollen, lieber den politischen Gegner verunglimpfen. Anderes kann man halt eben nicht.

Samuel Huntington schrieb bekanntlich vom „Zusammenprall der Zivilisationen“, eine These, die von den Leuten, denen eine solche Sichtweise nicht ins Konzept (genauer: zu ihrem Glauben) passt, meist etwas arg schnell verworfen wird, denn wer in einer Zivilisation gross geworden ist, welche die Trennung von Kirche und Staat gar nicht kennt und in der gleiche Rechte für Mann und Frau nicht einmal diskutiert werden können, wird unweigerlich mit einer laizistischen Zivilisation zusammenprallen.

„Es gibt keinen Kampf der Kulturen, es gibt nur einen Kampf der Ignoranzen, und dieser Kampf ist furchtbar, denn er produziert Unglück, Kriege und Rassismus“, argumentiert Tahar Ben Jelloun in Der Islam, der uns Angst macht. Sicher, das Problem ist häufig, wenn nicht sogar immer, die Ignoranz. Vielleicht ist es aber eben auch der Glaube, nicht nur der religiöse, denn so sehr ein Glaube, irgendeiner, unserem Leben Sinn geben mag, so zerstörerisch kann er eben auch sein.