Nur Mut, Hermine: Vom Älter Werden

„Ach, wenn wir unseren Humor nicht hätten“, pflegte mein im 96sten Altersjahr verstorbener Freund Ernst Müller-Meiningen jr. zu sagen. Und er hatte viel davon: Sagt der 76Jährige zur 74Jährigen: Nur Mut, Hermine, wir kriegen schon noch Kinder!

Als wir einmal bei Tele 5 in München darauf warten mussten, bis er endlich für das bevorstehende Interview abgeholt wurde, meinte er, es gebe ja Leute, die behaupteten, im Alter würde man gelassener werden. Und fügte hinzu: In Bezug aufs Warten treffe das bei ihm eindeutig nicht zu.

In Marc Aurels Selbstbetrachtungen liest man unter anderem über den stoischen Gleichmut, für den der römische Kaiser und Philosoph warb. Erst kürzlich las ich (in: Breites Wissen … nachgelegt), dass er diesem mit dem regelmässigen Genuss von Opium nachgeholfen hatte.

Jorge Luis Borges hat einmal gesagt (ich zitiere aus dem Gedächtnis), er sei eigentlich sein Leben lang derselbe scheue Junge geblieben, sein Charakter habe sich kaum verändert, auch toleranter sei er nicht unbedingt geworden, nur seien viele Dinge, die ihm in jüngeren Jahren wichtig gewesen seien, ihm im Alter nicht mehr so bedeutend vorgekommen.

Das trifft auch für mich zu. Zudem glaube ich heutzutage mit Churchill (ich zitiere wiederum aus dem Gedächtnis), dass, wer mit zwanzig kein Sozialist ist, kein Herz und wer im Alter immer noch Sozialist ist, keinen Verstand hat.

Es gibt Leute, die gut altern (David Bowie oder Jacqueline Bisset etwa) und solche, die weniger gut altern (die Höflichkeit gebietet, hier auf Beispiele zu verzichten). Und dann gibt es auch die, die bereits erwachsen zur Welt gekommen sind (Politiker) und die, die eigentlich immer gleich alt geblieben sind (Schulkollegen).

Um nochmals Müller-Meiningen jr. zu zitieren: Alt werden ist schon Sch …, andrerseits jung sterben bringts irgendwie ah net.