Integrationsgeschwafel

Bei der sogenannten Flüchtlingsdebatte – warum gilt eigentlich jeder, der sein Land verlässt und in einem anderen ohne Pass ankommt, als Flüchtling? – stört mich nicht nur die Realitätsverweigerung des grössten Teils der (in den Medien präsenten) Bevölkerung (dass arabische oder islamisch geprägte Kulturen ein anderes als das westliche Frauenbild haben, war jedem und jeder, der/die nicht ganz weltfremd ist, bereits vor den Silvester-Übergriffen bekannt), sondern vor allem die durchaus kritischen und differenzierten Erklärungsversuche von Leuten, die sich religiös oder kulturell auskennen.

Konkret: Ich brauche keine Islamwissenschaftlerin, die mir das Sozialverhalten von Jugendlichen aus dem arabischen Raum erklärt. Ich brauche keine Aufklärung von Historikern, dass Europa schon einmal mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als gerade jetzt. Ich brauche auch keine Abhandlungen darüber, wer global an allem Schuld hat und wer nicht.

Ich reagiere allergisch, wenn man mir sagt, wie ich die Dinge zu sehen habe. Das war schon immer so. Besonders Lehrer habe ich nie gut ertragen. Sicher, es gab Ausnahmen. Sie seien hier genannt: Giulio Haas, Christine Wunderli (aus dem Gymnasium). Karl Oftinger, Günter Stratenwerth, Detlev Krauss, Daniel Meadows, Thor Ekevall, Paul Black (an den Unis). Die hohe Anzahl an Universitätslehrern hat damit zu tun, dass ich an mehreren Unis studiert habe.

Und ganz besonders allergisch reagiere ich, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen versuchen, religiöse und sexuelle Unterdrückungsmodelle einzuführen, gegen die meine Generation (ein Teil davon) erfolgreich aufbegehrt hat.

Es braucht keine institutionalisierte Aufklärung darüber, was in einem Land für Regeln (Gesetze wie auch Sitten und Gebräuche) gelten. Die Augen aufzumachen, reicht meist. Und falls nicht, kann man ja fragen.

Wenn einem die Regeln nicht behagen, kann man sich trotzdem anpassen. Aus Anstand und Rücksicht, Werten also, die allen Kulturen gemeinsam sind.