Vom Neid und den Bildern im Kopf

Ein gut geschriebener Artikel in der Online Ausgabe der Süddeutschen informiert über Feuilletonisten, die früher einmal mächtige Figuren im Kulturbetrieb gewesen, heute jedoch nur noch Chronisten ihrer Zeit seien. Dafür, so der Autor Andrian Kreye, sei die Vielfalt der Meinungen grösser geworden.

Googelt man den Mann, stösst man auch auf seine Homepage und da auf einen Lebenslauf, der sich wesentlich abenteuerlicher liest, als der eigene. Und ist verstimmt und etwas neidisch. Wo der nicht alles gewesen ist, als Journalist, also auch noch dafür bezahlt. Und die Auszeichnungen, die Bücher, die Vorträge. Und dann ist der noch neun Jahre jünger als ich!

Um nicht in allzu tiefe seelische Abgründe von Selbstzweifeln zu verfallen, denke ich sofort an Roger Schawinski, der ist älter als ich, reich und erfolgreich, hat ganz Unterschiedliches im Leben ausprobiert und erweckt in mir überhaupt keinen Neid. Aus dem Fernsehen weiss ich schliesslich, was das für einer ist. Gut möglich, dass wenn ich den Journalisten Kreye im Fernsehen oder im richtigen Leben erleben würde, er mir weniger Eindruck machen würde.

Eine Literatursendung im deutschen Fernsehen, in der ein von mir seiner Eloquenz und Gescheitheit wegen geschätzter Schriftsteller gebeten wurde, kurz aufzustehen, veränderte mein Verhältnis zu Büchern und Autoren nachhaltig. Konzentrierte ich mich bis dahin immer darauf, was der Mann sagte (er wurde immer nur im Profil gezeigt), sah ich nun plötzlich einen wenig sportlichen und eher ungelenken älteren Herrn mit Bauchansatz. Seinen Namen mag ich nicht nennen, vielleicht betreibt er ja mittlerweile Sport, doch ich habe seither kein Buch mehr von ihm gelesen. Das liegt natürlich daran, dass er eher kompliziert schreibt.