Meine Bücher für unterwegs

Wochen, bevor ich mich zu einer Reise aufmache, beschäftigt mich vor allem die Frage, welche Bücher ich mitnehmen soll. Häufig entscheide ich mich für solche, die sich schon lange ungelesen in meinem Besitz befinden. Und da ich unter Bücher-Sucht leide und besonders an herabgesetzten Exemplaren nicht einfach so vorbei gehen kann, hat sich da im Laufe der Jahre einiges angehäuft. Von den mittlerweile etwa fünfzig auf eine Besprechung wartenden Neuerscheinungen will ich gar nicht reden.

Für meinen einwöchigen Aufenthalt in Riga habe ich mich nach langem Hin und Her für diese entschieden: David Ignatius: Das Netzwerk; Sara Gran: Die Stadt der Toten; Nadine Gordimer: Fang an zu leben; Petra Morsbach: Der Cembalospieler; A.M. Holmes: The Misstress’s Daughter; Lucy Ellmann: Mimi. Klar, nicht alle würde ich in dieser Zeit lesen, doch weiss ich ja nie zum Vorneherein, worauf ich Lust haben werde, deshalb der Vorrat/die Auswahl …

Am Tag der Abreise war dann unerwartet The Unravelling von Emma Sky in der Post. Und das musste natürlich mit. Dazu noch in letzter Minute Ali Smith: Im Hotel, da ich schliesslich eine Woche im Hotel leben würde. Und, falls ich im Flieger vielleicht keine Lust auf längere Texte haben würde, noch Marc Aurels Selbstbetrachtungen.

Ganz gelesen habe ich in diesen acht Tagen in Riga Sara Gran: Die Stadt der Toten, zudem grosse Teile von David Ignatius: Das Netzwerk sowie Lucy Ellmann: Mimi. Und ja, in Ali Smith: Im Hotel habe ich auch hineingeschaut. Doch der Anfang meiner Reise (die Fahrt zum Flughafen sowie der Flug) gehörte Emma Sky und ihren Irak-Erlebnissen. Ich war vor einigen Wochen in einer BBC-Sendung auf sie aufmerksam geworden, die britische Zivilistin war nach der Invasion des Irak Beraterin des US-Generals Odierno. Wie es dazu gekommen ist und was sie da genau gemacht hat, schildert sie in ihrem faszinierenden The Unravelling. Eindrücklicher und witziger habe ich noch nie von der Absurdität des Krieges gelesen. „Muddling through is not an option in business plans“ hat Chris Patten in East and West geschrieben, im richtigen Leben hingegen ist es genau das

Selbstverständlich habe ich dann auch in Riga Buchhandlungen aufgesucht. Und natürlich konnte ich mich nicht zurückhalten. Ganz untypisch für mich ist es bei einem einzigen Buch geblieben (Ob sich jetzt wohl mein Leben ändert?). Jay Rayner: A Greedy Man in a Hungry World. Why almost everything you thought you knew about food is wrong. Nein, ich interessiere mich nicht besonders dafür,. was es mit Nahrungsmitteln so auf sich hat, doch vor Jahren las ich im australischen Darwin ein Buch von diesem Autor über die Suche nach einem in den Anden verschollenen Flugzeug. Damals hatte sich Mendoza, wo die Suche ihren Ausgang nahm, in meinem Kopf festgesetzt. Einige Jahre später bin ich dort für ein paar Monate hin, als Dozent für Englisch und Interkulturelle Kommunikation. Ich habe allerbeste Erinnerungen an meine argentinische Zeit und schaue der Lektüre von A Greedy Man in a Hungry World höchst  erwartungsfroh entgegen. Und da ich fast immer alles aufschiebe, werde ich das Buch vielleicht auf meine nächste Reise mitnehmen …