Freddies Medien-Geschichten (6)

Die Macht der Medien besteht in der Themensetzung: sie können nicht bestimmen, wie wir zu denken haben, doch sie können bestimmen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Und so recht eigentlich sind sich alle einig, wem unsere Aufmerksamkeit gehören soll. Trump, Clinton, Erdogan etc. etc., Leuten also, die Freddie weder interessierten noch beschäftigen sollten, um die er  aber kaum herumkam, weil die Medien ihn dauernd mit ihnen bombardierten.

Es seien „die 24-Stunden-Nachrichtenkanäle, die die Menschen gegeneinander aufhetzen. Und die davon profitieren. Die Wahl spült den Sendern Millionen in ihre Kassen“, meinte T.C. Boyle über die Clinton/Trump-Wahl in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger. Auch die Medienkritik stammt aus den Medien, dachte Freddie. Nun ja, woher sollte sie auch sonst kommen?

Von Clinton wie von Trump wusste Freddie nun, dass beide logen. Das überraschte ihn nicht, auf ihn wirkten sowieso beide total gestört, Clinton sehr kontrolliert, Trump gänzlich unkontrolliert.

Noch nie hatte jemand die Medien dermassen vorgeführt, wie Trump das tat, der jeden Tag einen neuen, vollkommen abstrusen Schmarren erzählte, so die Schlagzeilen beherrschte und von allem, worum es eigentlich gehen müsste (die Wut auf die von Interessen-Lobbys beherrschte Mainstream-Politik) ablenkte. Medien, die verantwortungsvoll wären, würden über diesen Mann schlicht nicht berichten. „All the news that’s fit to print“ ist das Motto der New York Times, Donald Trump ist keine Nachricht wert, die es verdient gedruckt zu werden.

Journalismus, hatte Freddie einmal gelernt, sei in erster Linie kritisches Hinterfragen und sich immer mal wieder gewundert, ob es eigentlich auch unkritisches Hinterfragen geben könne. Und ja klar, so dachte er mittlerweile, das gibt es nicht nur, das ist die Regel. Als Beispiel möge ein Artikel auf Spiegel Online dienen, der die Scheidungsanwältin von Angelina Jolie porträtiert. Es ist ein rundum konventioneller Text, doch warum jemand in der Redaktion glaubte, man solle/müsse wissen, wer die Frau ist, entzieht sich Freddie, der nicht einmal wissen muss, wer Angela Jolie ist. Oder ob Schweizer Politiker sich mit ausländischen Politikern treffen. Es gibt eindeutig Interessanteres. Zum Beispiel die Spatzen, die jeweils angeflogen kommen, wenn Freddie für sie Brotkrumen auf den Balkon streut.