Freddies Medien-Geschichten (7)

Nichts hätte besser illustrieren können, dass die Massenmedien so recht eigentlich gleichgeschaltet sind, als die Art und Weise wie sie die Wahlkampagne von Donald Trump begleiteten. 500 der sogenannt einflussreichsten Zeitungen in den USA hatten sich für Hillary Clinton ausgesprochen, für Trump offenbar keine einzige.

Sie hatten sich in ihrer Einschätzung zwar geirrt, fragten sich anschliessend auch durchaus selbstkritisch, wie das hatte kommen können und praktizieren unverdrossen weiter, was sie schon immer gemacht haben. Fragen die gleichen Experten wie seit je, mutmassen weiter wie bis anhin und wie alle, die nicht viel Ahnung haben, und nehmen nach wie vor Politikerreden ernst, obwohl die noch nie etwas anderes waren als Absichtserklärungen und Selbstanpreisungen.

Dass Politiker (und wir alle anderen auch) gelegentlich lügen, ist keine Nachricht wert. Dass sie oft nicht die ganze Wahrheit sagen, genau so wenig. Und auch dass sie ihre Wahlversprechen selten umsetzen, dürfte mittlerweile nicht nur bekannt sein, sondern sie so recht eigentlich charakterisieren. Wie sagte doch Adenauer über seinen Nachfolger Erhard: Der Mann ist gänzlich ungeeignet Kanzler zu werden; der glaubt, was er sagt.

Dem Vernehmen nach soll die BBC-Serie „Yes, Minister“ zu den Lieblingssendungen von Margaret Thatcher gehört haben. Sie handelt davon, wie die Beamten die Politiker vor Dummheiten bewahren, denn schliesslich ist ein funktionierender Beamtenapparat wichtiger und auch beständiger als das relative kurze Gastspiel als Minister. So pflegt etwa der Chefbeamte Sir Humphrey Appleby die vielfältigen Ansinnen seines Ministers (etwa: Ich muss jetzt unbedingt eines meiner Wahlversprechen einlösen, das bin ich meinen Wählern schuldig), mit der Bemerkung „Ein mutiger Entscheid, Sir“ abzublocken, denn „mutig“, das weiss jeder Politiker, ist gleichbedeutend mit politischem Selbstmord. Denn nichts fürchten wir Menschen mehr, als die Veränderung, nach der wir dauernd schreien.

____

Die Medien zu kritisieren ist einfach, dachte Freddie manchmal so bei sich. Und so recht eigentlich waren Medienleute ja zu bedauern: Ständig mussten sie Fragen stellen und Stories bringen, von denen ihre Vorgesetzten behaupteten, dass sie sich verkaufen. So lernt man etwa in Journalismus-Schulen, dass „Hund beisst Briefträger“ keine Nachricht wert sei, „Briefträger beisst Hund“ hingegen schon. Anders gesagt: Es ist die aussergewöhnliche Nachricht, die zählt.

Umso erstaunlicher ist, dass die meisten Medien aussergewöhnliche Nachrichten sehr selten bringen. Sie ziehen es vor, zu veröffentlichen, was die anderen Medien auch veröffentlichen. Die Uniformität ist einschläfernd.

Doch es geht auch anders: Vor einigen Jahren hatte Freddie von einer philosophischen Debatte im japanischen Fernsehen gehört, die zum Erstaunen aller sogenannten Experten, die gemeint hatten, eine Philosophie-Sendung zur besten Sendezeit, würde ein Desaster werden, offenbar ein Strassenfeger gewesen sein musste. Vermutlich, weil da von Grundsätzlichem und uns alle Betreffendem geredet wurde.

Was hingegen die Massenmedien für berichtenswert oder treffender: newsworthy halten (bei CNN wird eine Rede des Präsidenten als breaking news (!) angekündigt) ist selten etwas anderes als was Freddie einmal im Journalismus-Studium gehört hatte: The elite sending memos to each other.