Bücher, die ich nicht rezensieren sollte

John Szarkowski, der langjährige Direktor des Department of Photography, der fotografischen Abteilung des MoMA, des New Yorker Museum of Modern Art, war der Auffassung, man solle nur über Fotografien schreiben, die einem gefallen, die man möge. Das Gleiche, denke ich, gilt auch für Bücher: sie sollten mit einer positiven Einstellung angegangen werden. Nur eben: das genügt manchmal nicht.

Als ich mir letzthin Historische Perspektiven auf den Iconic Turn. Die Entwicklung der öffentlichen visuellen Kommunikation (Herbert von Halem Verlag, Köln 2016) vornahm, tat ich dies mit Neugier und Interesse, stellte jedoch bereits nach kurzer Zeit fest, dass mich die in diesem Band versammelten Texte nicht erreichten. Es handelt sich um einen Tagungsband und das meint: Akademiker schreiben für Akademiker. Genauer: Spezialisten schreiben in einer Fachsprache über ein sehr eingegrenztes Thema. Sie pflegen also ihr Gärtchen.

Ich habe dagegen keine Einwände, denn auch unter akademischen Texten, so meine Erfahrung, gibt es gelegentlich solche, die anregend zu lesen sind. Und selbstverständlich gilt: was den einen packt, mag den anderen kalt lassen.

Bei dem vorliegenden Tagungsband scheiterte meine Neugier jedoch bereits an den meisten Titeln. Hier drei Beispiele: „Der geronnene Augenblick: Iconic Turn und mediale Selbstreferenzialität – Filmstandbilder in der Weimarer Publikumspresse“; „Horror oder Drama? Wahnsinn oder Trauma? Zum Wandel der Lesarten von Roman Polanskis Film Ekel 1965 bis 2013.“; „Bildergeschichten zwischen Anfeindung, Anerkennung und Missachtung. Die Darstellungsform Comics aus Sicht der historischen Kommunikationsforschung“.

Ich habe keinen der drei Beiträge ganz gelesen, ich habe nur hineingelesen (auch in die übrigen Beiträge), zu mehr reichte meine Energie nicht. Obwohl, das im Titel angekündigte Thema interessiert mich wirklich, nur habe ich mir darunter etwas anderes vorgestellt (die grösseren Zusammenhänge), als die gerade erwähnten Titel versprechen.

Zugegeben, dafür können die Herausgeber und Autoren dieses Bandes nichts. Schliesslich sind sie nicht für meine Vorstellungen haftbar zu machen. Der Fehler, wenn es denn einer sein sollte, liegt klar bei mir. Ich hätte mir, schliesslich habe ich vor Jahren einmal einen akademischen Verlag geleitet, keine Illusionen machen sollen. Anders gesagt: von einem akademischen Tagungsband etwas anderes zu erwarten als den typisch akademischen Tagungsband, ist schon ziemlich daneben. Dass ich das offenbar immer noch nicht wirklich begriffen habe, spricht nicht unbedingt für meine Lernfähigkeit.