Im Land des Lächelns

Ob ich wisse, weshalb die Thais so oft lächelten?, fragte mein Freund Sukit, viele Jahre ist es her, bei einem meiner regelmässigen Besuche in Trang, der Stadt im Süden Thailands, wo er zusammen mit Frau und Sohn lebte. „Weil ein Lächeln nie fehl am Platz ist.“

In Thailand mag das stimmen, andernorts nicht unbedingt, wie ich von einer Thai, Mitte dreissig, die zwölf Jahre in Sydney gelebt hatte, erfuhr. Machte sie einen Fehler, lächelte sie immer automatisch, was bei den Australiern (in Thailand versucht man so seinen Chef zu beruhigen), die nicht daran gewohnt sind, die diversen Spielarten des thailändischen Lächelns richtig zu interpretieren,  jedoch ganz schlecht ankam.

Seit mein altes Bangkok Viertel (die untere Sukhumvit) fast nicht mehr zu erkennen ist (die beiden Hotels, in denen ich jeweils über Monate lebte, sind verschwunden), bin ich nach Lat Krabang ausgewichen, einem Vorort in Flughafennähe mit ausgezeichneten Zugverbindungen in die Stadt. Bis vor kurzen habe ich nicht viel vom Ort gesehen, ausser dem Hotel und den nahgelegenen Restaurants und Läden. Als ich jedoch einmal in einem anderen als meinem üblichen Hotel abstieg, entdeckte ich ein ganz anderes Lat Krabang-

Eine Thai in den Sechzigern, die vor ihrem Haus an einem Tisch sass, spricht mich an, als ich vorbeigehe. Sie hatte zweiundzwanzig Jahre in London gelebt bis sie vor zwanzig Jahren wieder nach Lat Krabang zurückgekommen ist. Sie vermisse das englische Wetter, sagt sie. Vieles hätte sich geändert, früher sei man mit dem Boot in die Stadt gefahren, heute sei der Zug wesentlich schneller und günstiger.

Am nächsten Tag sehe ich von einer Brücke, die über einen der Kanäle führt, wie ein Boot beim Näherkommen die Geschwindigkeit drosselt. Der Bootsführer steht auf und blickt auf ein etwa 150 Quadratmeter Feld von Grünpflanzen, das zwei Kanäle voneinander trennt. Nach kurzem Überlegen entschliesst er sich, die Durchquerung zu wagen. Er setzt sein Boot zurück, jagt den Motor auf Hochtouren und schiesst mit grosser Geschwindigkeit und unter lauten Knacken von splitternden Wurzeln durch das Pflanzenfeld.

Etwa zehn Minuten später taucht ein weiteres Boot auf. Wiederum schätzt der Bootsführer das Risko ab … und entscheidet sich dagegen. Schade, denn dieses Mal hatte ich die Kamera griffbereit gehabt …