Freddies Medien-Geschichten (9)

Wer wissen will, wie der Kapitalismus funktioniert, dachte Freddie manchmal so bei sich, wäre so recht eigentlich gut beraten, die Medien zu beobachten. Genauer: Darauf zu achten, wie die Massenmedien über den nordamerikanischen Fake-President und andere sogenannte „Führer“ berichten, über die es eigentlich eh nichts anderes zu sagen gilt, als was John Lennon einmal gesagt haben soll: „Don’t follow leaders.“

Es versteht sich: die Medien tun auch in Trump-Zeiten, was sie so recht eigentlich immer tun. Sie berichten darüber, was ihnen Geld einbringt. Das tun sie auf vorhersehbare Art und Weise: sie gucken genau hin, gewichten, sortieren aus, stellen Kontext her. Sie verhalten sich so, wie sie es sich gewohnt sind. Und obwohl alles oder zumindest ganz vieles in der Welt der Politik mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidentendarsteller (Freddie hielt alle für die Öffentlichkeit posierenden Menschen für Schauspieler) geändert hatte, taten alle nach wie vor so, als ob alles beim Alten bleiben könne.

Die üblichen Experten wurden in die TV-Studios geladen und äusserten sich so, wie man es von ihnen erwartete. Deswegen waren sie schliesslich eingeladen worden. Sie interpretierten des Präsidentendarstellers Handlungen, informiert und häufig scharfsinnig, und taten dabei so, als ob dieser Mann gemäss den gängigen Kriterien erfasst werden könnte. Man hoffte, dass das Amt ihn verändern würde, man behauptete, er verfolge eine langfristige Strategie, man wies ihm Widersprüche und Lügen nach. Und war verblüfft, erstaunt und entsetzt, dass die wohlbegründete Kritik sich in Nichts auflöste.

Nun ja, wer einen Mann, der ganz offensichtlich von seinen Impulsen beherrscht wird, der klar unfähig ist, Fehler zuzugeben, der sich selber für den Allergrössten überhaupt hält, mit rationalen Argumenten zu fassen versucht, hat nicht nur ein Problem, sondern ist selber nicht ganz richtig im Kopf.

Um auf den Kapitalismus zurückzukommen: Es handelt sich hierbei um ein System, dass vor allem den Egoismus, die Gier, mithin das Primitivste im Menschen belohnt. Wer das erkennt, dachte es in Freddies Kopf, der (oder die) wird sich über Trump nicht wundern. Schlauer wäre, das System in Frage stellen, welches das Phänomen Trump nicht nur möglich macht, sondern es geradezu fördert.

Nun gut, wir leben in diesem System. Wir alle. Und da wir ihm nicht wirklich entkommen können, müssen wir irgendwie damit zurecht kommen. Und was bedeutet das nun für die Medien? Was sollen sie tun? Vielleicht wäre es an der Zeit, aufzuhören, über die politischen Akteure zu informieren, denn Uninteressanteres als die Meinungen von Menschen, die fast ihr ganzes Berufsleben in Sitzungen und Ausschüssen verbringen, gibt es kaum. Stattdessen wäre es womöglich gescheiter, ausschliesslich  über die, die von den Handlungen der Politiker betroffen sind, zu berichten, dachte Freddie so für sich.