Das grosse Welttheater

Nein, ich beziehe mich nicht auf das Theaterstück von Calderon, von dem ich eh nur den Titel kenne; mit dem grossen Welttheater meine ich für einmal nur die Politik beziehungsweise meine Vorstellung von Politik, die ich nicht aus der Realität habe, sondern aus den Medien.

Aus Gründen, die ich nicht wirklich kenne, sondern nur vermuten kann, wirken Politiker auf mich meist theatralisch, auch dann, wenn sie so tun, als ob sie sich nicht für die Kameras oder die Mikrophone in Szene setzen. Ich habe Mühe, sie ernst zu nehmen.

Dass man sich für Politik interessieren müsse, ist mir geläufig, doch höchstens im Kopf verständlich, meine Gefühle erreichen solche Aufforderungen nicht. Meine Gefühle werden hingegen angesprochen, wenn ich mir zum Beispiel politische Talkshows im Fernsehen ansehe. Dabei merke ich, dass ich zwar Freude an cleveren Argumenten habe, jedoch eher von meinen Zu- und Abneigungen geleitet werde.

Jemanden nicht riechen können, bringt meine Weltsicht auf den Punkt. Es gibt Politiker (weiblich wie männlich), also wenn ich die schon sehe, kriege ich einen Anfall. Die Haltung, die Ausstrahlung, die Visage, also einfach alles geht mir bei einigen auf die Nerven (und neue sind schwer zu kriegen). Andere hingegen lassen mich so kalt wie nur etwas. Was sie sagen, spielt überhaupt keine Rolle.

Gänzlich unerträglich finde ich den Ego-Rüpel im Weissen Haus. Noch unerträglicher finde ich seine Wähler, die genau so wenig wissen, was sie tun, wie er selber.  Am allerunerträglichsten sind jedoch die Politiker, die diesen Ignoranten, der ohne jeden Anstand ist, unterstützen beziehungsweise von ihm profitieren wollen. Primitivlinge ohne Rückgrat, die keinen Respekt verdienen. Und die, welche sich mit diesen einlassen, ebenso wenig

Dass wir von Idioten regiert werden, sei eh klar, hat einmal ein englischer Krimi-Autor gesagt (zumindest erinnere ich es so). Und hinzugefügt: es gelte, das in Würde zu ertragen. Man muss vermutlich Engländer sein, um das zu können. Uns anderen bleibt nur, uns darin zu üben oder, vielleicht besser, uns den Dingen zuzuwenden, die unserer seelischen und geistigen Befindlichkeit förderlicher sind.

In meinen Tagträumen stelle ich mir manchmal vor, dass alle Frauen und Männer, die pseudo-bescheiden verbreiten, dem Volk dienen zu dürfen, hätte sie bewogen, sich für ein Regierungsamt zur Verfügung zu stellen, sich den Fernsehkameras mit folgender Aussage präsentierten: Ich bin nicht mehr bereit, jede Idiotie dieser Regierung (die ich nicht gewillt bin, als meine anzuerkennen) mitzutragen und trete hiermit zurück. Ich bin nicht mehr bereit, meine Selbstachtung auf den Müll zu werfen.

Andererseits: Noch nie war offensichtlicher, dass Politik eine Reality-TV-Show ist, bei der es alleine um Einschaltquoten geht. Warum jemand den Fernseher einschaltet, spielt dabei keine Rolle, nur die Aufmerksamkeit, die man messen kann, zählt. Doch Aufmerksamkeit lässt sich steuern. Nie sind die grossen Egos mehr beleidigt, als wenn man sie nicht so wichtig findet, wie sie sich selber finden.