In Valparaiso und anderswo

Aufzeichnungen

Kongo

Am 15. November 1884 begann in Berlin die Kongokonferenz – die europäischen Mächte wollten Afrika unter sich aufteilen, der belgische König Leopold wollte unbedingt sein Land vergrössern. Wie Eric Vuillard die Akteure sowie den Konferenzort schildert, lässt einen die Politik als das sehen, was sie in Wirklichkeit ist – die Durchsetzung des eigenen Vorteils um jeden Preis. Doch dieser originelle Autor tut noch einiges mehr – er macht auf ganz viele aufschlussreiche Details aufmerksam, die es lohnt, im Kopf zu behalten, wenn man sich der stromlinienförmigen Berichterstattung der Massenmedien aussetzt, denn die in Kongo geschilderten Verhaltensweisen sind sich in etwa gleich geblieben. Und auch die Interessen haben sich nicht wirklich geändert. So sind zum Beispiel nach wie vor diejenigen für den freien Handel, die von ihm profitieren.

Eingeladen hatte Bismarck, Kanzler eines Reiches ohne jegliche Kolonialerfahrung, dessen Name vielfältige Berühmtheit erfahren sollte. „Er, der seinen Namen einem Heringsgericht geben sollte, einem Farbstoff mit sensationellen chemischen Eigenschaften sowie der Pflanzengattung Bismarckia – ein Blätterfächer oben auf einem fasrigen Stamm, mit anderen Worten: die Bismarckpalme –, er, dem zu Ehren ein Archipel, mehrere Berge, ein Meer und sogar, weiss Gott warum, die Hauptstadt von North Dakota, ein trauriger Staat im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, ein Kaff mit kaum mehr Einwohnern als Bourg-en-Bresse, auf seinen Namen getauft wurden, er also, dem zu Ehren all diese Dinge seinen Namen annehmen sollten oder bereits angenommen hatten, lud Frankreich, Grossbritannien, die Vereinigten Staaten, Portugal, Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Spanien, Italien, die Niederlande, Russland, Schweden und die Türkei nach Berlin ein; dazu die unzähligen Krankheiten, die ihn Tag für Tag begleiteten …“. Der Satz ist noch lange nicht zu Ende, doch man kann bereits unschwer erkennen, dass dem Autor Details wichtig sind und aus gutem Grund, denn auf diese kommt es an. Immer. Doch werden sie nur selten so hervorgehoben wie von Eric Vuillard in Kongo (Matthes und Seitz Berlin 2018).

Detailliert schildert er auch das Palais Radziwill, wo die Konferenz stattfindet, und ebenso einige der einflussreichsten Teilnehmer, denen vieles durch den Kopf geht, von dem weder ihre Gesprächspartner noch die Öffentlichkeit etwas weiss. „Hier also Alphonse Chodron de Courcel, eine der formschönsten Nasen der Welt! Der Mann geht äusserst langsam, von wer weiss welch tiefsinnigen Gedanken umweht. Doch in Wirklichkeit sieht man, wenn man sich über seinen Schädel beugt und ein kleines Loch hineinbohrt, sein rundum weisses Hirn und erfasst mit einem Blick das Grundmuster seiner Gedanken. Und plötzlich ahnt man, dass er gerade schlicht und einfach an die Pflege seines Parks denkt; er fragt sich, ob die Gärtner das Stutzen der Hecken, der kleinen, um die Rotunde gruppierten Buchsbaumpyramiden nicht ein bisschen nachlässig behandeln. Doch offen bleibt, ob er an den Park des Schlosses in Athis oder in Avaucourt denkt …“.

Ganz im Gegensatz zu dieser Schilderung des sogenannt zivilisierten Lebens präsentieren sich die Verhältnisse im Kongo. „Den Kongo, den gibt es nicht. Da ist nur ein Strom und ein grosser Wald. Das macht achtzig Mal Belgien, und sogar achtzig Mal nichts ergibt irgendwann etwas.“ In diesem riesigen Gebiet nun schwingen sich kleine Brüsseler Beamte zu Dschungelherrschern auf oder etwas weniger prosaisch: sie drehen durch, und zwar völlig. Zum Beispiel Léon Fiévez, der den Befehl erteilt, denen die Hände abzuhacken, die nicht genug Kautschuk ernten. „Die Bevölkerung nimmt ab. Es heisst, dass man Fiévez einmal an einem einzigen Tag 1 308 Hände brachte. 1 308 rechte Hände, 1 308 Menschenhände. Das musste komisch sein, dieser Haufen Hände. Erst einmal fragt man sich, was es ist, wie auf dieser Fotografie, mit der die Eingeborenen in Begleitung des Missionars John Harris etwas vor sich halten. Das Bild ist deplaziert, merkwürdig. Sie halten zwischen ihren Händen Hände.

Überzeugender kann man kaum zeigen, wie Worte Bilder im Kopf erzeugen. Starke Bilder, die einen begleiten. Weil diese Bilder Emotionen auslösen. Kongo ist ein eindrückliches Buch, das nachhallt.

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1913

Zwei Freundinnen, beide Viel-Leserinnen, erzählten mir begeistert von Florian Illies‘ 1913. Der Sommer des Jahrhunderts; ich selber habe einmal an einem Flughafen darin geblättert und mich angesprochen gefühlt, doch ich war in Eile und vergass das Buch wieder. Mit anderen Worten: Ich bin positivist voreingenommen, als ich den Folgeband 1913. Was ich unbedingt noch erzählen wollte (S. Fischer, Frankfurt am Main 2018) zur Hand nehme. Und ich bin sofort drin und weiss auch wieder, was mir damals am Flughafen so gefallen hat – diese Darstellung des Nebeneinander, mit dem ich wieder einmal darauf aufmerksam gemacht werde, wie selten ich registriere (von Bewusstsein ganz zu schweigen), dass so vieles nebeneinander her läuft.

Vieles meint hier das, was man gemeinhin unter Kultur versteht. Literatur, Fotografie, Malerei, die Wissenschaften; die Politik kommt eher am Rande vor – dieser wird meist eh zuviel Bedeutung zugeschrieben. Und was da im letzten Jahr vor dem ersten Weltkrieg ganz generell los war. So hat etwa Marcel Proust den ersten Teil von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ fertiggestellt. 712 engbeschriebene Seiten sind es, die er an drei Verlage schickt. André Gide, Cheflektor bei Gallimard, lehnt das Manuskript ab, nachdem er 70 Seiten davon gelesen hat, „weil er bei einer Friseurbeschreibung eine syntaktische Ungenauigkeit entdeckte, die ihm ungeheuer auf die Nerven ging.“

Vom heftigen Zusammenprall der gegensätzlichen Welten des verklemmten Frank Kafka und der ungezügelten Else Lasker-Schüler erfahre ich wie auch davon, dass die Neurasthenie als Diagnose so schwammig und gängig war wie heute das ADHS-Syndrom und der Burn-out. Niels Bohr leitete das Atomzeitalter ein. „Ein Atom, so ahnte Bohr, kann keine Energie freigeben, sondern nur aufnehmen, um in einen angeregten Zustand zu kommen – und von dort kann es nur durch einen Quantensprung wieder zurück zu seinem Ursprung gelangen.“ Der homosexuelle Nijinsky und die mässig begabte ungarische Tänzerin Romola Karlowna finden zusammen, obwohl sie keine gemeinsame Sprache haben und „August Bebel, beruflich zunächst Hersteller von Türklinken, also dem Kommen und Gehen durchaus zugeneigt und demzufolge ein erstklassiger Kandidat für jedes hohe Amt der Sozialdemokratie, zu allen Zeiten“, stirbt im bündnerischen Passugg an Herzversagen.

Igor Strawinskys  „Le sacre du printemps“ wird von den Pariser Kritikern als „Le massacre du printemps“ verspottet, den Teilnehmern der Grönland-Expedition von Alfred Wegener frieren die Nasenspitzen ab und die Gesichtshaut hängt ihnen in Fetzen herunter und Picasso lebt seinem Credo nach, dass da lautete: „Man muss die Menschen von der Aufrichtigkeit seiner Lügen überzeugen können.“ Kurz und gut: 1913. Was ich unbedingt noch erzählen wollte ist eine Schatztruhe höchst aufschlussreicher Anekdoten, die gelegentlich mehr über die solcherart Porträtierten aussagten als ihnen möglicherweise lieb war.

Informativ und witzig und ungemein abwechslungsreich  – vom Schicksal, die Frau eines kubistischen Malers zu sein bis zu Oskar Biders erster Alpenüberquerung im Flugzeug, von der Tour de France, die einer der Teilnehmer streckenweise zu Fuss und mit dem Rad auf dem Rücken absolvierte bis zur Bekanntgabe der Verleihung des Doktortitels an Martin Heidegger im Lokalblatt  – , unterhaltender habe ich selten so viel gelernt.

1913. Was ich unbedingt noch erzählen wollte verhilft mir überdies zu einem gänzlich neuen Verständnis von Geschichte. Hatte ich die Historie bisher immer als chronologische (und damit gleichsam zwingende) Abfolge verschiedenster Ereignisse wahrgenommen, so erlebe ich jetzt eine ungeheuer vielfältige Gleichzeitigkeit von Banalem und Spannenden – und es ist diese Mischung, die ich höchst aufregend finde.

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir oft (zugegeben, ich spreche von mir) viel zu linear unterwegs sind. Ständig in der Zukunft oder in der Vergangenheit, den beiden Zeitzonen also, wo wir nie physisch, sondern immer nur im Kopf sind. Diesen Kopf nun in die Gegenwart befördern zu wollen, ist, wie alle wissen, die das schon einmal versucht haben, schwierig bis aussichtslos. Es sei denn, man konzentriere sich weder auf den Atem noch den eigenen Nabel, sondern benutze seine Sinne dafür, wozu sie gedacht sind – um sich umzuschauen. Dann entdeckt man nämlich, dass da ganz viele Dinge gleichzeitig nebeneinander passieren.

Ein Psychogramm der arabischen Seele

Burkhard Hofmann, geboren 1954, arbeitet seit 1991 als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin in Hamburg und behandelt seit zehn Jahren auch Patienten am Persischen Golf. Über seine Erfahrungen mit der Verfasstheit der arabischen Seele berichtet er in Und Gott schuf die Angst. Ein Psychogramm der arabischen Seele (Droemer Verlag, München 2018), das er als Ansammlung von Fallgeschichten versteht und nicht als eine wissenschaftlich präzise Abhandlung; im Zentrum steht nicht der Einzelfall, sondern die Uniformität der Erscheinungen.

Ankerpunkt der arabischen Kultur ist die Mutter, sich von ihr loszulösen ist nicht erlaubt. Die Mutter ist sakrosankt, der Vater ist hingegen negativ besetzt. Während in der westlichen Kultur die Erziehung zur Unabhängigkeit als Ideal gilt, ist in der arabischen Kultur die Geborgenheit in der Familie das Ziel. „Das Sich-Entfernen von der Herde ist unerwünscht und mit erheblichen Schuldgefühlen verbunden.“ In mir regt sich beträchtlicher Widerstand als ich das lese. Interessiert  mich eine solche Weltsicht? Nein, überhaupt nicht. Ich lese trotzdem weiter und lerne dabei Einiges, nicht nur über arabische, sondern auch über westliche Vorstellungen. Und ganz besonders über die Psychotherapeutische Medizin, die Burkhard Hofmann praktiziert.

Konkret: Was macht ein Facharzt für Psychotherapeutische Medizin genau? Nehmen wir den Fall von Ameera, einer Geschäftsfrau Anfang fünfzig aus Bahrain, die sich ins Private zurückziehen will. Die dadurch entstandene Leere bringt ungeahnte Ängste hervor, die sie mit Medikamenten betäubt.  Burkhard Hofmann erläutert zunächst den kulturellen, sozialen und familiären Kontext. „Vor mir erscheint die Gestalt einer Kindheit voller Kälte und unterdrückter, überkontrollierter Gefühle.“ Er versucht, sie auf ihre inneren Prozesse neugierig zu machen. Jedoch: „Das Festhalten an den Psychopharmaka und das Sprechen über deren zumeist unzulängliche Wirkung blieb ihr eigentliches Interesse.“

Ameera, wie die meisten, die sich einer Therapie unterziehen, will sich nicht ändern. „Ihre Anstrengungs- und Leidensfähigkeit waren sehr begrenzt.“ Was sie interessiert, sind effizientere Psychopharmaka. „Im gesamten therapeutischen Prozess blieb Ameera kaum an ihrer Psychodynamik interessiert.“ Vielleicht hat das ja auch damit zu tun, dass die Psychotherapie eher eine Kunst als eine Wissenschaft ist. Und psychotherapeutische Methoden nur bei denen wirken können, die daran glauben. Ich jedenfalls kann mit „unverarbeiteten Kindheitsgefühlen“ oder der Vorstellung, dass „uns belastende Teile der Lebenserzählung“ nacherlebt und verarbeitet werden sollten, wenig anfangen.

Doch auch wenn mich die Psychotherapeutische Medizin nicht überzeugt (sie scheint mir die Probleme, die sie zu lösen versucht, zuerst selber zu schaffen), dieses Buch lohnt. Einerseits, weil Burkhard Hofmann ein genauer Beobachter und hoch reflektierter Mensch ist, der über den Tellerrand seiner Profession hinausschaut, und andererseits, weil er sich und sein Verhalten mit einbringt und sich auch immer wieder (für meine Begriffe gelegentlich anpasserisch – es geht wohl auch darum, den Klienten nicht zu verlieren) selbstkritisch hinterfragt. Das hindert ihn jedoch nicht, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Keine Kultur ist uniform. „Überall in der muslimisch-arabischen Welt geht ein tiefer Riss durch die Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen die dem säkular-westlichen Lebensstil Verfallenen, auf der anderen Seite die in Richtung Gottesstaat marschierenden Frommen mit ihren Wünschen nach weitgehender Regulation des öffentlichen Lebens im Sinne der Scharia.“ Burkhard Hofmann beobachtet eine deutliche Veränderung des öffentlichen Lebens in Richtung salafistisch-orthodoxe Ideologie.

Seine Ausführungen über die Ausprägungen der arabischen Kultur sind nicht nur erhellend, sie machen auch klar, dass die westliche und die arabische Weltanschauung unterschiedlicher kaum sein könnten – und trotzdem Wesentliches gemein haben, man denke an die Shopping-Ideologie, die auf der Überzeugung beruht, dass man Wohlbefinden kaufen kann. Ein grundlegender Unterschied besteht im Verhältnis zum Glauben. Für Muslime ist der Glaube „im Kern nicht relativierbar, so wie das für uns der Fall ist.“ Die Tröstungen der Glaubensgewissheit sind den meisten Westlern fremd, nicht jedoch den sich durch die Gemeinschaft definierenden Muslimen.

Kritische Selbstreflexion, Selbstdistanz und Introspektion sind zentral für Menschen, die sich von einer Psychotherapie etwas versprechen. Wem die Unterwerfung unter Gottes Gesetz zuerst kommt, lebt in einem anderen Universum. „Die drei Feuertaufen des westlichen Geistes liegen noch vor dem Gläubigen.“ Die erste ist die kopernikanische Wende, die meint, dass die Erde nicht der Weltmittelpunkt ist und die religiösen Vorstellungen den naturwissenschaftlichen gewichen sind. Die zweite ist Darwin und seine Theorie der Evolution (als ich einen meiner Englisch-Studenten in Istanbul fragte, was er als Mediziner über die Evolution denke, verlangte er einen anderen Lehrer); die dritte Freud und seine Erkenntnis, dass wir nicht Herr im eigenen Haus sind.

Burkhard Hofmann hat sich intensiv (und mit einer Geduld, die mir völlig fremd ist!) mit der arabischen Seele und der westlichen Kultur auseinandergesetzt und fragt sich nun, wie man mit diesem uns fremden Islam umgehen soll. Wie verhält man sich jemandem gegenüber, der sich seines Glaubens wegen überlegen fühlt, der die Trennung von Kirche und Staat weder versteht noch akzeptiert, sondern „als defizitäre Position“ wahrnimmt? Integration kann man da vergessen. Gut, dass es Burkhard Hofmann (der im Gegensatz zu vielen, die nur Meinungen, aber keine Gedanken haben, weiss, wovon er spricht) so deutlich auf den Punkt bringt: „Nicht alles ist überbrückbar, nicht jede Eigenart ist mit der des anderen so kompatibel, dass ein gedeihliches Zusammenleben eine Chance hat. Und manchmal ist das Getrenntleben nicht nur für Paare die bessere Lösung.“

Über Dostojewskij, die Sucht und eine grandiose Biographie

Von den Schriftstellern, von denen ich viel gelernt habe, ist mir Dostojewskij (den ich für den grössten Psychologen überhaupt halte) einer der wichtigsten, auch wenn meine Lektüre schon einige Zeit zurückliegt. Nun hat Andreas Guski, emeritierter Professor für Slavische Philologie an der Universität Basel, eine neue Biographie vorgelegt (Dostojewskij. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2018). Seine Art des Schreibens packt mich sofort und schon auf den ersten Seiten wird mir klar, dass da einer aus dem Vollen schöpft. Vieles, was ich da lese, beglückt und begeistert mich – mir sind Unterhaltung, Einsichten und Identifikation wichtig – , wie das alles historisch oder „wissenschaftlich“ einzuordnen ist, beschäftigt mich nicht. Und so will ich hier nur auf das hinweisen, was ich aus dem einen oder anderen Grund (der mir selber nicht immer klar ist) des Unterstreichens für wert befunden habe.

„Alle fünfeinhalb Stunden wird er ‚wiedergeboren‘, ‚beginnt ein neues Leben‘, ätzt Sir Galahad alias Bertha Eckstein-Diener, die unversöhnliche Dostojewskij-Gegnerin.“ Ich nehme das für bare Münze und nicht etwa als Kritik und denke so bei mir: Der ist ja wie ich. Oder vielleicht eher: Ich bin ja so wie der. Jedenfalls in dieser Beziehung.

„… nur allzu bewusst ist ihm, dass ‚ die Flamme seiner Begierde nach dem Himmlischen‘, wie es bei dem von ihm so geschätzten Thomas von Kempen heisst, ’nicht rein ist vom Rauch der sinnlichen Neigung‘. Und er weiss auch und spürt mit jeder Faser seines Körpers, dass es unmöglich ist, sich der eigenen Natur zu widersetzen. Sein Leben so radikal umzustellen wie Lew Tolstoj, der die Feder mit dem Pflug vertauschen wird, um im härenen Bauerngewand seine Äcker zu bestellen – das ist Dostojewskijs Sache nicht. So verdächtig wie die Lebensform der Karriere, so ausgeprägt ist seine Skepsis gegenüber einem heiligmässigen Leben, das die eigene Natur vergewaltigt.“ Ich hätte es selber nicht besser sagen können, sagt man in der Schweiz, wenn jemand auszudrücken imstande ist, was man selber so nicht in Worte hätte fassen können, doch es sich zu können gewünscht hätte. Am Rande: Als einer, der von Universitätsprofessoren selten beeindruckt ist, bin ich immer wieder verblüfft und überrascht von dieser exzellenten Biographie. Nicht wegen des Autors Wissen oder seiner differenzierten Analyse (das darf man von einem Professor erwarten), sondern weil es ihm gelungen ist, aus dieser ungeheuren Fülle von Details und Einsichten eine so ausgesprochen spannend zu lesende Biographie zu verfassen.

Wunderbar anregend auch Andreas Guskis Auseinandersetzung mit den diversen Interpretations-Modellen betr. Dostojewskijs Damaskus-Erlebnis. „So kombiniert er das mythische Modell der Wiedergeburt mit dem im 19. Jahrhundert vorherrschenden evolutionären Zeitmodell der Naturwissenschaft“ fasst er Dostojewskij zusammen und folgert: „das geradezu beschwörend wiederholte Eigenschaftswort ‚allmählich‘ steht für das revolutionäre Zeitmodell des Realismus, das mit der Magie des Augenblicks nicht in Einklang zu bringen ist“. Würde Professor Guski etwas von Sucht verstehen – Dostojewskij war ein Spieler – , so wäre ihm womöglich klar, dass die beiden ohne weiteres miteinander in Einklang zu bringen sind, denn Sucht gehorcht dem Gesetz von Ursache und Wirkung genau so wie sie ihm auch nicht gehorcht. Anders gesagt: Die Magie des Augenblicks bildet die Grundlage für die allmähliche Herausbildung eines neuen Lebens. Sie gehören zusammen, sie schliessen sich nicht aus.

„Wer süchtig ist, kann nicht verzichten; und umgekehrt wird, wer verzichten kann, nicht süchtig“, kommentiert Guski andernorts Dostojewskijs Spielsucht. Offensichtlich versteht er mehr von Sucht als ich ihm zugetraut habe. Nur eben: Süchtigen helfen Einsichten nicht weiter (sie haben sie meist selber). Erst wenn sich eine Sucht erschöpft, wenn der Süchtige „so sick and tired of being so sick and tired“ ist, wird ein Neuanfang möglich. Oder wenn sich die Umstände (die familiären, sozialen und gesellschaftlichen) grundlegend verändern, wie das mit der Rückkehr der Dostojewskijs nach Russland der Fall war. Am Rande: Auch viele amerikanische GIs, die als Heroinsüchtige nach dem Vietnamkrieg nach Hause zurückkehrten, gaben die Droge auf.

Doch Dostojewskij leidet nicht nur unter Spielsucht, er kennt auch in anderen Belangen kein Mass (und das ist so recht eigentlich, in Verbindung mit zwanghaftem Verhalten – ein Merkmal von Dostojewskijs Charakter –  das Wesen der Sucht). Als in Genf seine Tochter Sonja geboren wird, ist er derart ausser sich vor Freude, dass die Hebamme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam. Als die Kleine nach wenigen Monaten stirbt, ist er untröstlich. „So grenzenlos wie die Freude über die Geburt ist der Schmerz über den Tod des Kindes.“

Diese eindrückliche Biographie bringt mir auch wieder einmal zum Bewusstsein, dass die hyper-aufgeregten Zeiten, in denen wir leben, so aussergewöhnlich nun auch nicht sind. Die sozialen Gräben, die heutzutage allüberall beklagt werden, gab es Mitte der 19. Jahrhunderts in Russland genauso, das Streben der Frauen nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung ist ebenso wenig ein neues Phänomen wie „die Preisgabe der heilsgeschichtlichen Erwartungen des Christentums zugunsten einer auf Profit- und Lustmaximierung beschränkten Welt“ und dass Dostojewskij nicht ahnt, „dass die seelischen Konflikte der jungen Frau, mit der er (in Paris) verabredet ist, nicht geringer sind als seine eigenen“, beschreibt schon fast ein Naturgesetz.

Für einen geschichtlich Ungebildeten wie mich bietet dieses Buch auch viel an interessanter Aufklärung. Etwa, dass die Schweiz im 19. Jahrhundert als billiges Reiseland galt. Oder dass Gogol einen Teil seiner ‚Toten Seelen‘ in Vevey geschrieben hat. Oder dass die Dostojewskijs ständig mit Geldproblemen zu kämpfen hatten. Und ganz besonders, dass sensible Geister (Dostojewskij schildert dies am Beispiel Russlands) schon damals die Auflösung der überlieferten Ordnungen sowie die für die Moderne charakteristische Herrschaft des Geldes konstatierten.

Dostojewskij. Eine Biographie ist ein Meisterwerk!

Wider und für die Religion

Denis Diderots Die Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin de Broglie wider und für die Religion, aus dem Französischen übersetzt und mit Addenda versehen von Hans Magnus Enzensberger (Friedenauer Presse Berlin 2018) ist ein dünnes Heft und kommt in einem ungewöhnlichen, mich sehr ansprechenden Hochformat daher, hebt sich also schon gestalterisch von der Masse der Bücher ab und erscheint jetzt zum ersten Mal auf Deutsch.

Die Marschallin und der Philosoph Crudeli sind sich einig, etwas Gutes ohne Nachteile gibt es genau so wenig wie etwas Schlechtes ohne Vorzüge. „Schlecht ist, was mehr Nachteile als Vorzüge, gut dagegen, was mehr Vorzüge als Nachteile hat“, meint die Marschallin und Crudeli geht mit ihr einig. Ja mehr, er will ihr anhand dieser Definition darlegen, dass die Religion ein Unheil und keinen Vorteil darstellt.

Die Marschallin verwirrt, wie ruhig Crudeli in seinem Unglauben zu sein scheint. Und macht damit auch implizit klar, dass ihr selber der Glaube Orientierung und Sicherheit gibt. „Ihr Gott versteht keinen Spass“, sagt Crudeli einmal. Die Marschallin stimmt zu. Selten war mir deutlicher, dass der Religion die Leichtigkeit fehlt, von der Ironie gar nicht zu reden.

Geschrieben wurde dieses kurze Werk in Holland. „Ich habe einen kleinen Dialog zwischen der Marschallin von *** und mir skizziert. Ein paar Seiten, die halb ernst, halb heiter sind“, schrieb Diderot 1774 an Zarin Katharina II. Dass er den Italiener Thomas Crudeli als angeblichen Verfasser angibt (der bereits im Jahr 1745 das Zeitliche gesegnet hatte; die Schrift wurde 1977 zum ersten Mal veröffentlicht), mag einerseits der damals herrschenden Zensur geschuldet sein, hat aber vermutlich auch damit zu tun, dass er die Leute gerne hinters Licht führte.

Die Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin de Broglie wider und für die Religion ist eine höchst amüsante und anregende Schrift, die charmant fürs eigenständige Denken plädiert. „Wer fähig ist, sich von seinen Vorurteilen zu befreien, der hat es nicht nötig, sich aufklären zu lassen.“

Über Interkulturelles

Vieles, das unter Kultur beziehungsweise Kulturellem abgehandelt wird, hat weniger mit kulturellen Eigenarten als mit Geld und Macht zu tun. Begüterte in Singapur, Johannesburg und Genf haben ähnliche Probleme. Und diejenigen ohne viel Geld, wo auch immer auf diesem Planeten, haben auch ganz ähnliche Sorgen. Kulturelle sind es nicht, materielle sind es. Meistens jedenfalls. Anders gesagt: die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen den Menschen sind meines Erachtens eher ökonomischer als kultureller Art.

Dina Nayeris Drei sind ein Dorf (mare Verlag, Hamburg 2018) handelt laut Pressemitteilung des Verlags von Fragen wie: „Ist Heimat ein Ort, ein Mensch, ein Gefühl? Lässt sich Heimat neu erschaffen – und zu welchem Preis?“ Mich beschäftigen solche Fragen, daher mein Interesse an diesem Roman. Nur eben: es sind rhetorische Fragen und werden nicht wirklich beantwortet, jedenfalls nicht auf den ersten zweihundert Seiten, denn weiter bin ich nicht gekommen. Das hat seine Gründe und von diesen soll hier die Rede sein.

Die Protagonistin Nilou ist als Kind mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen und in der amerikanischen Provinz gelandet. Der dem Opium verfallene Vater blieb zurück, er wollte von seiner Sucht nicht lassen. Nilou ist ehrgeizig, schafft es an eine Eliteuniversität, heiratet einen Juristen. Die beiden ziehen nach Amsterdam, wo sie auch auf eine Gruppe iranischer Exilanten treffen. Durch das Zusammensein mit ihnen erwacht in Nilou eine alte Sehnsucht: „nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.“

Nur eben: was als kulturelle Sehnsucht, als Bedürfnis nach kultureller Zugehörigkeit daherkommt, hat mit Kultur überhaupt nichts zu tun. Und auch mit Heimat hat das alles gar nichts zu tun, sondern mit Nilous sturem und rechthaberischem Charakter, den sie von ihrem sturen und rechthaberischen Vater geerbt hat. Alles muss nach ihrem Kopf gehen, bis ins letzte Detail. Dass eine dermassen egoistisch angelegte Person in fremden Kulturen Probleme haben wird, ist wenig überraschend – es werden ähnliche sein, die sie auch in ihrer Herkunftskultur haben würde.

Als ihr Mann vorschlägt, zu einer Zusammenkunft mit Exil-Iranern Pizza mitzubringen, ist sie dagegen. „Nein!“, sagt Nilou. „Unser Essen darf nichts Besonderes sein. Die Leute da sind bettelarm.“ Offenbar geht mir da die richtige Sensibilität ab, doch seit wann ist Pizza in Amsterdam etwas Besonderes? Wie auch immer: Offenbar geht es darum, dass sich die beiden den Exilanten anpassen sollen. Auch in Sachen Kleidung. So hat sich Nilou „ganz bewusst ein T-Shirt  mit ausgefranstem Saum und ihre älteste Jeans angezogen …“ und windet sich innerlich, weil ihr Mann einen Massanzug trägt. „Wenn Iraner es sich leisten können, schätzen sie das Mondäne und Protzige, deshalb ist es für sie eine Genugtuung, eine Amerikanerin aus dem Iran, also jemanden, der alles bekommen hat, was sie sich wünschen, in abgerissener Kleidung zu sehen. Es liefert ihnen etwas, womit sie Nilou necken können, und es ermöglicht Nilou, ihnen von Yale zu erzählen und dennoch gemeinsam mit ihnen über die Mieten zu schimpfen oder den Kurs des Euros. Sie findet es angemessen, ihre Lebensverhältnisse ein bisschen auszugleichen. In dem Kiosk kauft sie zwei broodjes, bescheidenen jungen Käse mit Butter auf pappigem Brot in Plastikverpackung, und zwei Dosen Erbsen.“

Iraner scheinen Menschen mit delikaten Egos zu sein. Da ich dafür weder Verständnis noch Sympathie habe, finde ich Nilous Anstrengungen nur ja niemanden vor den Kopf zu stossen, ganz und gar nicht angemessen, sondern anbiedernd und anpasserisch. Und darüber hinaus schwer zu vereinbaren mit ihrer alten Sehnsucht: „nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf.“ Für mich jedenfalls bedeutet Rücksicht zu nehmen auf Ehre und Stolz von eitlen Zeitgenossen (von welcher Kultur auch immer) etwas anderes, als mich selber sein zu dürfen. Und überhaupt: sich aufplusternde Gockel (wie auch ihre weiblichen Pendants) können mir gestohlen bleiben.

Vor allem aufgestossen ist mir jedoch, wie Dina Nayeri die Zusammenkunft mit den Exil-Iranern schildert. „Im Vergleich zu den extrem geselligen Umgangsformen im Iran pflegen die Holländer eine Kultur der Einsamkeit. Keine zwanglosen Gespräche mit Fremden, keine übertriebene Grossherzigkeit. Mam’mad erzählt ihr, dass er zwar schon Jahre hier wohnt, aber noch nie von jemandem eingeladen wurde, noch nicht mal zum Tee, noch nicht mal, nachdem er sein mageres Einkommen dafür verwendet hat, jedem seiner Nachbarn baghlava zu bringen. Die Holländer lieben ihre Hunde mehr als den Fremdling nebenan. Und das Schlimmste: keinen Respekt vor Intellektuellen.“

Diese Überheblichkeit geht mir auf den Keks (und natürlich weiss ich, dass nicht alle Iraner so denken; Dina Nayeri schildert übrigens auch andere), nicht zuletzt weil ich solche Gedanken, als ich noch ein junger Mann war, selbst gedacht habe. Über die Schweiz und die Schweizer. Heutzutage sehe ich das anders, ganz anders. Nicht weil die Schweizer inzwischen geselliger geworden wären, sondern weil mir die Anspruchsmentalität von Menschen, die in einem fremden Land aufgenommen werden wollen, zuwider ist. Und eingebildete, dünkelhafte Leute, wo auch immer, kann ich sowieso nicht ab. Zudem ist mir selbstverständlich, dass der Fremde in einem fremden Land (der ich oft selber bin) sich anzupassen hat.

Ausgesprochen gut gefallen hat mir hingegen die Schilderung von Nilous Vater Baba, insbesondere die Charakterisierung seiner Opiumsucht als ein Bedürfnis nach Vergessen, denn so habe ich Sucht noch nie gesehen.: „Im Badezimmer des Motels war mir klar geworden, dass er sich entschieden hatte, weit weg von mir zu leben, dass es etwas gab, dass er noch mehr liebte: nicht die Poesie oder die Medizin oder seine Familie, sondern das Vergessen.“

Frei nach Schopenhauer

„Wenn man auch noch so alt wird“, befand Schopenhauer, „so fühlt man doch im Innern sich ganz und gar als denselben, der man war, als man jung, ja, als man noch ein Kind war“, lese ich in Otto A. Böhmers Frei nach Schopenhauer (Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2018), einem philosophischen Roman, dessen Hauptdarsteller Egidius Fitzroy eine Philosophische Praxis betreibt, wo er Menschen rät, die sich mit Sinn- und Lebensfragen an ihn wenden. „Der Mensch, war seine Überzeugung, ist ein Empfänger, kein Sendbote, er hat im Rahmen insgesamt bescheidener Möglichkeiten hellhörig zu sein, weil ihm sonst etwas entgehen könnte, das wichtig für ihn ist.“

Seien wir also so hellhörig wie möglich, denn es lohnt. Nicht nur weil Schopenhauer viel Schlaues, Hilfreiches und ausgesprochen Realistisches über den Menschen und die Welt geschrieben hat, sondern auch weil Otto A. Böhmer (wofür wohl das A steht? Ich entscheide mich für Aha) ein sehr differenzierter und ein sehr witziger Erzähler ist.

Frei nach Schopenhauer ist von einem ausgesprochen fantasievollen Mann geschrieben worden. Ich jedenfalls habe noch nie so anregend über eine Kreuzfahrt gelesen. „Das Meer war, höflich gesprochen, gänzlich unaufgeregt, der Wellengang bestenfalls zu ahnen, aber kaum zu spüren. Die Wolken, in undefinierbarer Ferne, konnte man für ein über Nacht entstandenes Gebirge halten, mit rauchigen Kegelköpfen, verschwimmenden Spalten und Schluchten, und die Entstehung dieser atlantischen Bergwelt war keineswegs abgeschlossen, sie zog weiter, pumpte sich auf, um gleich darauf an den Überhängen gekappt zu worden.“

Frei nach Schopenhauer ist ein äusserst vergnügliches und höchst lehrreiches Buch. So wird der Leser etwa über die Zeit aufgeklärt, „ohnehin ein relatives Phänomen, das womöglich kaum mehr als ein Assistenzmedium des Menschen ist, der damit mehr Möglichkeiten bekommen hat, sich unter Druck zu setzen …“.

Als die Internationale Schopenhauer Gesellschaft Egidius Fitzroy auf ein Kreuzfahrtschiff schickt, wo er philosophische Sprechstunden abhalten soll, ist er gezwungen zu fliegen, was ihm gar nicht behagt.  Zu seinem Bedauern wird  der Frankfurter Flughafen („Um ihn herum unerträglich gut gelaunte Urlauber, vorwiegend Familien mit verhaltensgestörten Kindern, dazu acht, neun muntere Greise und eine Ansammlung von Alkoholikern, die alle quergestreifte T-Shirts trugen, auf denen Werbung gemacht wurde für den  bekannten Männergesangsverein ‚Halbe-Lunge WAF‘.) nicht bestreikt und so muss er in die Luft („Fitzroy kam in die Mitte einer Dreierreihe zu sitzen, die für ihn allein schon zu eng war. Wer dachte sich bloss solche Diätbestuhlungen aus …“).

In Lanzarote besteigt er dann zusammen mit dem Ehepaar Gantenbein ein Taxi, „dass etwas altersschwach aussah, was aber durch die vertrauenserweckende Erscheinung des Taxifahrers wettgemacht wurde, der seine Fahrgäste mit absolut treuherzigem Blick anschaute und in einer Sprache begrüsste, die sich als weitgehend unverständlich erwies. Spanisch war dabei, ein paar Brocken Englisch, dazu kam aus dem deutschen Sprachraum ‚Grüss Gott‘ und ‚gerne‘ sowie, ein wenig überraschend, ‚Sie mich auch‘; der Rest gehörte wohl einer einheimischen Mundart an, die nicht ganz zu Unrecht vom Aussterben bedroht war.“

Immer wieder wird, es versteht sich, bei diesem Buchtitel, auf Schopenhauer Bezug genommen. Dabei erfahre ich unter anderem auch, dass Schopenhauer eher ein Mann des unnachgiebigen Dialogs war, als dass er auf Diskussionen aus gewesen wäre. „In seinen Schriften steckt vielleicht auch deswegen ein Quantum Weisheit, wie es die allermeisten seiner Kollegen nicht zusammenbekommen haben.“ Und ich lese, dass der Dichter Miguel de Unamuno seinerzeit angeblich Deutsch gelernt hatte, um Schopenhauer im Original lesen zu können.

Höchst aufschlussreich auch, dass Schopenhauer offenbar dem Blick in den Spiegel nicht über den Weg getraut hat. „Warum“, so schrieb er, warum trotz allen Spiegeln, weiss man eigentlich nicht, wie man aussieht und kann daher nicht die eigne Person wie die jedes Bekannten, der Phantasie vergegenwärtigen?, eine Schwierigkeit, welche dem ‚Erkenne dich selbst‘ schon beim ersten Schritte entgegensteht. Ohne Zweifel liegt es zum Teil daran, dass man im Spiegel sich nie anders als mit gerade zugewendetem und unbeweglichem Blicke sieht, wodurch das so bedeutsame Spiel der Augen, mit ihm aber das eigentlich Charakteristische des Blickes, grossenteils verlorengeht.“

Fitzroy bezeichnet sich „auch aufgrund der ihm zugeteilten Denkfaulheit“ als Realist und Pragmatiker, den es nicht, wie einige Kollegen, danach drängt, „das Undenkbare zu denken“ und der deshalb auch nicht „heilloser Verwirrung anheimgefallen“ ist, „die durch psychotherapeutische Behandlung, in die man sich anschliessend begab, nur noch grösser wurde.“ Treffender kann man kaum für eine gesunde Bodenhaftung plädieren, zu der auch diese Feststellung gehört: „Fitzroy war traurig. Intellektuelle Einwände gegen ein solches Gefühl, das einfach nur da war und zu Herzen ging, standen ihm nicht zur Verfügung.“

Ein ganz wunderbares Buch! Ich habe Tränen gelacht und viel gelernt – glänzender Witz und auf die Lebenspraxis ausgerichtete philosophische Gedanken, meine absolute Ideal-Kombination! Otto A. Böhmer beherrscht sie meisterhaft. Frei nach Schopenhauer ist intelligente Unterhaltung vom Feinsten!

In Slowenien

Der Landeanflug würde starker Winde wegen holprig werden, liess sich der Pilot vernehmen, doch das Rütteln und Schütteln hielt sich dann in Grenzen. Ich guckte aus dem Fenster, sah die ausgefahrenen Räder etwa zwei, drei Meter über der Landebahn und erwartete das Aufsetzen, als der Flieger beschleunigte und wieder aufstieg. Das war für mich eine Premiere, mein erster Durchstart, ich hatte mir einen solchen immer laut und mit röhrenden Motoren vorgestellt, doch dieser war fast lautlos und unspektakulär.

Mein vom Hotel geschickter Taxifahrer hielt ein handgemaltes Schild mit meinem Namen in Händen und entpuppte sich als Sozialwissenschaftler, der dem herrschenden kapitalistischen System so wenig abgewinnen konnte wie ich auch und nebenbei als Coach arbeitete (wie ich gelegentlich auch) – der Gesprächsstoff ging uns nicht aus.

Nach dem Einchecken im Hotel machte ich mich zu Fuss in Richtung Innenstadt auf. Sie liege etwa eine halbe Stunde entfernt, wurde mir gesagt, doch mit den Distanzen und Zeitangaben haben es die Slowenen nicht so, wie ich in der Folge noch mehrmals feststellen musste – mein Fussmarsch dauerte eine gute Stunde.

Auf meinem Weg sehe ich auch ein Schild, das auf einen  Bahnhof verweist. Da mir Zugfahrten in fremden Ländern schon immer gefallen haben, mache ich mich kundig – das Land ist reich an Zugstrecken und am nächsten Tag fahre ich in das eine halbe Stunde entfernte Kranj, einer schmucken, auf  einem Hügel gelegenen Kleinstadt. Die Fahrt dauerte doppelt so lang wie vorgesehen, weil der Zug, in dem die Fahrgäste bereits Platz genommen hatten, zwei Minuten vor Abfahrt geräumt werden musste, damit er gereinigt werden konnte. Bis der Ersatzzug eintraf dauerte es wiederum eine ziemliche Weile, über die sich ausser mir niemand wunderte.

Da ich eine halbe Stunde Zugfahrt ideal finde (meine Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt), fahre ich tags darauf nach Litija. In Wikipedia lese ich, dass das Grab von Carlos Kleiber in der Nähe (in Konjšica) liegt. Da mich dieser begnadete Dirigent und das Wenige, das ich von ihm weiss – er war mit der  slowenischen Tänzerin Stanislawa Brezovar (genannt Stanka) verheiratet und widersetzte sich der Musikindustrie. Er dirigierte nur, so Herbert von Karajan, wenn sein Kühlschrank leer war  – seit langem fasziniert, spiele ich mit dem Gedanken, sein Grab aufzusuchen, lerne dann aber, dass der öffentliche Verkehr Konjšica nicht erreicht. Später lese ich, dass der Weiler aus etwa 20 Häusern besteht und nicht wenige Trauergäste bei der Beerdigung von Kleiber, der ein halbes Jahr nach seiner Frau starb, den Weg nicht fanden.

Was also könnte ich mir stattdessen ansehen? Im nächsten Dorf, in Smartno, gäb’s eine schöne Kirche, sagt die Bedienung im Cafe beim Bahnhof und zeigt mir den Weg. Zwanzig Minuten, vielleicht eine halbe Stunde, dauere es zu Fuss. Da ich die slowenischen Distanz- und Zeitangaben mittlerweile kenne, frage ich unterwegs (ich bin bereits eine gute Viertelstunde gegangen) von Neuem. Zwanzig Minuten, vielleicht eine halbe Stunde, lautet die Auskunft des jungen Mannes, der anbietet, mich mit dem Auto hinzufahren. Die Fahrt dauert zehn Minuten. Sein Vater stelle Krippen her, sagt der junge Mann. Vermutlich soll ich eine kaufen, denkt es so in mir. Na ja, anschauen kann ich sie mir ja. Eine riesige Weihnachtskrippen-Anlage erwartet mich. In zwei Monaten soll sie fertig sein, informiert mich der Vater des jungen Mannes, er mache das jedes Jahr, die Leute kämen von weither, um das (wirklich prächtige) Bauwerk zu besichtigen.

Am Morgen meiner Abreise trinke ich – wie schon an meinem Ankunftstag – mit der jungen Hotelmanagerin und dem vermutlich so auf die Mitte 40 zugehenden Taxifahrer Kaffee. Und wir reden und reden und reden. Über Gott und die Welt. Und mich verblüfft wieder einmal, dass weder Alter, Ausbildung noch Herkunft fürs Einander-Verstehen wesentlich ist. Die Bereitschaft, sich aufs Leben einzulassen, genügt.

Die Vereindeutigung der Welt

Der Einstieg in Die Vereindeutigung der Welt (Reclam Verlag, Ditzingen 2018) könnte gelungener und packender gar nicht sein, denn „Alles so schön bunt hier“, wie Nina Hagen einst gesungen hat, ist es ja heutzutage wirklich, aber eben nur, wenn man nicht genau hinschaut. Tut man das, entpuppen sich etwa die zahllosen Fernsehprogramme, auf die sich Hagen in ihrem Song „TV-Glotzer“ bezog, als ziemlicher Einheitsbrei, als Scheinvielfalt. Der Untertitel „Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt“ bringt auf den Punkt, worum es in diesen differenzierten und gelehrten (Thomas Bauer, der Autor, ist seit 2000 Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an der Universität Münster) Ausführungen geht.

Die Vielfalt nimmt ab. Auch in der Natur ist sie in gewissen Bereichen weit geringer als wir gemeinhin annehmen. So ist der Vogelbestand seit 1800 bis heute um 80 Prozent zurückgegangen, werden von den einstmals 30 000 Maissorten nur noch ein Dutzend davon in grösserem Stil angebaut und auch die Sprachen gehen zurück. „Die Gesellschaft für bedrohte Sprachen stellt fest, dass fast 1/3 der ca. 6500 weltweit gesprochenen Sprachen ‚innerhalb der nächsten Jahrzehnte aussterben‘.“

Das menschliche Gehirn ist binär unterwegs, unterteilt automatisch in Gut und Böse, Oben und Unten, Schwarz und Weiss. Kurzum: es reduziert Komplexität, spiegelt Eindeutigkeit vor, wo Uneindeutigkeit herrscht. „Menschen sind ständig Eindrücken ausgesetzt, die unterschiedliche Interpretationen zulassen, unklar erscheinen, keinen eindeutigen Sinn ergeben, sich zu widersprechen scheinen, widersprüchliche Gefühle auslösen, widersprüchliche Handlungen nahezulegen scheinen. Kurz: Die Welt ist voll von Ambiguität.“

Automatisch kommt mir Janet Malcolms Zitat eines Geschworenen, das ihrem Iphigenia in Forest Hills vorangestellt ist, in den Sinn: „Everything is ambiguous in life except in court.“ Wir versimplifizieren, weil die Komplexität der Welt uns überfordert. Das Problem ist nur, dass „es eine Welt ohne Ambiguität gar nicht geben kann.“ Wie unterschiedlich Kulturen und Religionen im Laufe der Geschichte damit umgegangen sind, zeigt Professor Bauer an zahlreichen erhellenden Beispielen und begrüsst dabei, wie unter Akademikern üblich, auch Kollegen. „Was wir heute erleben, lässt sich, um einen Ausdruck des Kunsthistorikers Hans Sedlmayr zu gebrauchen, als Verlust der Mitte bezeichnen, und dies ist schlicht das Resultat eines drastischen Verlustes an Ambiguitätstoleranz.“ Für eine solche Erkenntnis braucht es nun wahrlich keinen Kunsthistoriker.

Ganz wunderbar dann das Kapitel Kunst und Musik auf der Suche nach Bedeutungslosigkeit (treffender kann ein Titel kaum sein!), worin der Autor aufzeigt, was Propaganda, Kapitalismus und Gleichgültigkeit heutzutage alles zustande bringen. Nicht wenig gestaunt habe ich, dass die CIA Künstler wie Jackson Pollock und Mark Rothko (ohne deren Wissen) gezielt förderte. So organisierte und finanzierte die CIA Ausstellung um Ausstellung, nahm Einfluss auf Museen und lancierte Zeitschriftenartikel, um dem Abstrakten Expressionismus zum Durchbruch zu verhelfen. Und weshalb tat die CIA das? Weil bedeutungsarme Kunst zur Waffe im Kalten Krieg wurde. Und mit dem Abstrakten Expressionismus, dessen Kunstwerke als solche nichts bedeuteten, war das ideale Gegenstück zum Realistischen Sozialismus gefunden, der sich, wie Ideologien generell, durch Eindeutigkeit auszeichnet.

„Wenn sich Qualitätsunterschiede nicht mit eindeutigen Kriterien feststellen lassen, dann scheint es einfacher zu sein zu sagen, es gebe gar keine Qualitätsunterschiede, als über nicht leicht zu präzisierende, aber dennoch vorhandene Qualitätsunterschiede nachzudenken. Hier sei dagegen daran festgehalten, dass es Qualitätsunterschiede gibt, dass etwa ein Schlager-Tralala nicht dieselbe Qualität hat wie der eingangs erwähnte Punksong der Nina Hagen und dass beide wiederum andere Qualitäten haben als etwa ein Streichquartett von Alban Berg.“ Völlig einverstanden, doch auf welchen (auch uneindeutigen) Kriterien gründet jetzt dieser Qualitätsbegriff?

Höchst anregend auch des Autors Ausführungen zum Authentizitätswahn, der vor so ziemlich gar nichts mehr Halt macht und vom authentischen Wein bis zur authentischen Politik reicht. „Aber passen Authentizität und Demokratie überhaupt zusammen? Tatsächlich können Politiker in Demokratien gar nicht authentisch sein. Sie müssen Kompromisse schliessen, sie müssen im Interesse des Gemeinwesens oder der Partei auch Positionen vertreten, die nicht ihre Herzenspositionen sind, diplomatisch auftreten und Dinge sagen und tun, die sie ausserhalb ihrer Rolle als Politiker nicht sagen oder tun würden.“ Obwohl ich diese Auffassung teile, halte ich sie angesichts des gegenwärtigen gesellschaftlichen Klimas für lebensfremd. Vielleicht war Politik ja einmal so (jedenfalls wurde sie uns so vermittelt), wirklich sicher bin ich mir da jedoch nicht. Heutzutage ist sie jedenfalls garantiert nicht so. Und auch Thomas Bauer konstatiert: „Es kann aber kaum Zweifel darüber geben, dass Authentizität immer mehr als höchstes Ideal geglaubt wird.“ Das Resultat sind authentische Trottel in Ämtern, die nicht für sie gedacht sind.

Die Vereindeutigung der Welt ist ein eloquentes Plädoyer für Ambiguitätstoleranz, das nicht zuletzt deswegen überzeugt, weil es viele überraschende Zusammenhänge aufzeigt und vorführt, wie man auch mit Komplexität umgehen kann: Indem man genau hinschaut, sich Zeit nimmt und nachdenkt.

Öl und Blut im Orient

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 gibt es fünf Anrainerstaaten am Kaspischen Meer: Russland, Turkmenistan, Kasachstan, Aserbaidschan und Iran. „Jetzt gibt es eine Einigung: Auf ihrem Gipfeltreffen im kasachischen Küstenort Aktau haben sich die Staatschefs im Grundsatz auf eine Aufteilung des rohstoffreichen Sees geeinigt – sie unterzeichneten eine entsprechende Übereinkunft. Damit ist der Weg frei für eine stärkere Förderung von Erdöl und Gas in der Region“ berichtete die Deutsche Welle am 12. August 2018.

Unter dem Kaspischen Meer lagern grosse Mengen von Gas und Öl und um diese wird schon lange gerungen. Wie heftig, brutal und rücksichtslos es im Ölgeschäft zu und her geht, darüber gibt Essad Beys Öl und Blut im Orient (Die Andere Bibliothek, Berlin 2018) Aufschluss, das in der Zeit um den Ersten Weltkrieg in Baku, Aserbaidschan, spielt. Es handelt sich um einen „autobiografischen“ (die Glaubwürdigkeit, informiert die Pressemitteilung des Verlages, sei zurecht angezweifelt worden) Bericht, der die damaligen Zustände ungemein farbig schildert und mich zum Staunen und zum Lachen brachte und wiedereinmal die Einsicht verstärkte, dass es sich beim Menschen um eine wenig erfreuliche Spezies oder drastischer gesagt, um ein nur schwer zu bändigendes Tier handelt.

Das Ölgeschäft, dachte es so in mir, ist wohl ähnlich dem Baugeschäft in New York, Chicago, Moskau oder São Paulo, und vermutlich weniger von der Liebe zur Literatur und anderem Schöngeistigen geprägt als von den primitivsten Instinkten, die vornehmlich den Menschen eigen zu sein scheinen. „Unter russischen Kaufleuten gibt es das Sprichwort: ‚Wer ein Jahr unter Bakus Ölbesitzern lebte, kann nie wieder ein anständiger Mensch werden'“. Essad Bey war der Sohn eines solchen Ölbesitzers, floh im Alter von 16 Jahren vor den Bolschewisten nach Berlin, konvertierte dort zum Islam und schrieb mit Öl und Blut im Orient einen aberwitzigen, informativen und meinungsstarken Text, der mich einerseits dauernd zum Losprusten brachte und mir andererseits Einblick in eine Weltgegend gab, die mir bis anhin ebenso unbekannt war wie das Ölgeschäft. „Man scheute vor nichts zurück, man brauchte sich auch vor nichts und niemandem zu scheuen, man war ja im Orient, wo Recht und Unrecht seit jeher dehnbare Begriffe sind. Auch untereinander hielt man Fairness nicht für angebracht. Den Begriff ‚fair‘ gab es überhaupt nicht, vielleicht noch bei den Grössten, die sich auch diese Marotte mitunter leisteten.“

Nicht nur auf den Ölfeldern Aserbaidschans, sondern auch auf den mexikanischen und venezolanischen und genau so in den Goldminen von Alaska und bei den Diamantensuchern Südafrikas „herrschten dieselben Verhältnisse, dieselbe Brutalität, Betrug und List, mit denen ein Häuflein Abenteurer ihren eben errafften Reichtum zu schützen wusste.“ Befreit man sich von ideologischen Scheuklappen und Wunschdenken, so beschreibt das auch die heutige Welt trefflich.

Von den Jassaien im Norden Aserbaidschans berichtet Essad Bey, bei denen die Hände der Männer keine Arbeit verrichten dürfen und die deshalb den ganzen Tag ausgestreckt unter grossen Nussbäumen verbringen, zum Himmel emporblicken und über die Weisheit ihrer Vorfahren nachdenken, die ihnen die Arbeit verboten haben. Oder dass in Südaserbaidschan „die bekannte Hörnerfrisur“ getragen wird, “ das heisst, die Haare werden in der Mitte des Schädels von der Seite bis zum Nacken in einer geraden, breiten Linie ausrasiert und hängen rechts und links ungeschnitten herab. Sie werden oft so gekämmt, dass sie nach vorn hängen und unter dem kleinen, schwarzen Fez, der den rasierten Schädel bedeckt, wie zwei gebogene Hörner aussehen.“

Gänzlich unbekannt war mir auch, dass in den unendlichen Sandwüsten Turkestans und Persiens der Karawanenführer, der ‚Tschalwadar‘, der Herrscher ist, denn „mit seinem fast tierischen Instinkt kann der Führer auf weite Entfernungen hin das Vorhandensein von Wasser buchstäblich riechen.“ Und von Persien erfahre ich, dass es „die üppigsten Gärten, Felder und Wälder, tropische Palmen und unendliche Wüsten und dazu die ältesten Ruinen der Menschheit“ besitzt, jedoch praktisch unbewohnt ist. (Das Land zählte damals 10 Millionen Einwohner, heute über 80 Millionen).

Als ich lese: „Der Orient kennt Massaker, blutige Tage, tierische Grausamkeit, die sich sozusagen explosionsartig entlädt, aber bald wieder dem angeborenen Phlegma der Bevölkerung Platz macht“, geht mir Raphael Patais The Arab Mind (Erstveröffentlichung 1973) durch den Kopf, der die Beduinen (und allgemein die Araber) ganz ähnlich beschrieb. Explosive Eruptionen, gefolgt von phlegmatischen Phasen – keine wirklich beruhigende Kombination.

Öl und Blut im Orient wurde erstmals 1929 veröffentlicht. Schön, dass es dieses Buch in dieser tollen Aufmachung (Hardcover mit Buchschlaufe, bedruckter Einband, Vor- und Nachsatzpapier, Fadenheftung) wieder gibt.